migrationDas globalisierte Dienstmädchen

Die Migration wird weiblich: Gebildete Frauen aus armen Ländern verdingen sich als Haushaltshilfen in reichen Industriestaaten. So wie Lydia Flores. Sie arbeitet illegal in Frankfurt am Main, damit ihre Kinder in den Philippinen ein besseres Leben führen können von 

Die Sonne scheint, der Himmel glänzt, im Rebstockpark spielen Mütter mit kleinen Kindern. Zum Beispiel Lydia Flores*, schlank, hübsch, schwarze Haare, 34 Jahre alt. Zärtlich hält sie das Baby im Arm. Sie lächelt es an, sie summt ihm ins Ohr, sie streichelt seine Wange. Das bringt ihr neun Euro die Stunde.

Lydia, die Ersatzmutter. Man kann sie mieten. Sie wohnt in einem grau verputzten Haus hinter der Frankfurter Uni. Von den Fensterrahmen blättert weiße Farbe, neben der Tür kleben 17 Klingelschilder. Auf einem steht kein Name.
"Besser, man sieht nicht gleich, wer hier wohnt", sagt sie.

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Lydia, die Illegale. Wenn sie auf der Straße einen Polizisten sieht, wechselt sie die Richtung. Wenn sie in die S-Bahn steigt, kontrolliert sie zweimal, ob sie eine Karte hat. So wie man das macht, wenn man in Deutschland lebt, aber keinen deutschen Pass hat und keine Aufenthaltsgenehmigung, erst recht keine Arbeitserlaubnis.

Natürlich arbeitet sie trotzdem. Vormittags geht Lydia Flores putzen, schrubbt Böden, wäscht Hemden, füttert Hunde, nachmittags schiebt sie den Kinderwagen mit dem fremden Baby durch die Stadt. 15 Monate alt ist der kleine Ricardo. Sein Vater verkauft Wertpapiere in einer Bank, seine Mutter ist Anwältin. Lydia verbringt mehr Zeit mit ihm als seine Eltern.

Von ihren eigenen Kindern hat sie nur Bilder. Die Wohnung mit dem leeren Klingelschild ist voll davon. Ihr kleiner Sohn, stolz in Schuluniform. Ihre beiden Töchter, wie sie um die Wette grinsen. Die Fotos hängen am Kühlschrank, stehen im Regal, kleben im Album.

Der Kinder wegen ist sie nach Deutschland gekommen. Um ihnen Geld schicken zu können. Seit sechs Jahren ist sie hier. "Seit sechs Jahren habe ich meine Kinder nicht gesehen." Sie weint, als sie das sagt.

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