schule Bewegte LehrerSeite 2/2
Sachsen verfolgt wie die meisten Flächenländer das so genannte Multiplikatormodell bei der Fortbildung: Nur die Schulleiter und ein paar wenige Fachlehrer werden zentral geschult und geben dann ihr Wissen in den regionalen Fortbildungszentren und direkt an den Schulen weiter. Zimmer und ihre fünf Kolleginnen zum Beispiel sind über drei Jahre hinweg zu Trainern ausgebildet worden und besuchen jetzt ein bis zwei Schulen im Monat. Nebenher unterrichten sie weiter Schulklassen, und genau das sei die Stärke des Multiplikatormodells, sagt Zimmer: »Wir arbeiten zwar nach lernpsychologischen Erkenntnissen, aber immer praxisorientiert und auf gleicher Augenhöhe mit den Kollegen.« Daneben wäre es aber wegen der Entfernungen auch gar nicht möglich, wie in den Stadtstaaten zentrale Fortbildungen für alle abzuhalten. Wobei die zeitliche Belastung für die Multiplikatoren enorm ist, auch wenn sie in Dresden zwei Stunden weniger unterrichten müssen.
Nicht immer ist es die Begeisterung wie in Bremen bei der Sommeruni oder der gar nicht mehr so sanfte Zwang wie in der letzten Ferienwoche in Dresden, der Lehrer wieder zu Schülern werden lässt, manchmal ist es auch die Hoffnung auf Beförderung. Bei den 20 Teilnehmern des Lehrgangs »Schulleitung als Herausforderung« ist das so. Sie sind keine Schulleiter, doch sie würden es gern werden. Darum haben sie sich für den Assessment-Kurs in der bayerischen Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung beworben, in der fast 400 Jahre alten ehemaligen Jesuitenuniversität von Dillingen, denn sie wissen: Bei künftigen Bewerbungen wird nach dem Kurs gefragt. Auch der 30-jährige Dasinger Volksschullehrer Richard Remberger hat den Eigenbetrag von 120 Euro daher gern gezahlt. In dem Planspiel, das in dem alten Hörsaal mit der Holzdecke und dem prächtig verzierten Katheder auf dem Programm steht, übernimmt er mit drei Kollegen die Rolle von Herrn Kluger. Der ist Direktor einer Eliteschule, unheimlich ehrgeizig und möchte daher die Problemschule seines Kollegens im Nachbarort schlucken. Doch dazu muss er den Elternbeiratsvorsitzenden, einen Ministerialbeamten und sogar den Stellvertreter seines Kontrahenten auf seine Seite ziehen. Das Problem: All diese Rollen werden jeweils von anderen Lehrerteams gespielt, und natürlich haben die auch alle ihre eigenen Ziele. Während sich so die Teams behaken und sich immer mehr in ihre Rollen hineinsteigern, notieren die Kursleiter auf blauen Zetteln Stärken und Schwächen der Redner, vom Zuhören bis zur Körpersprache. »Das braucht schon Überwindung, sich hinzustellen und sich bewerten zu lassen«, sagt Remberger später. »Aber nur so kann ich besser werden.«
- Datum 26.08.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 26.08.2004 Nr.36
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