Es hätte dümmer kommen können. Oliver Hirschbiegels Film über die letzten zwölf Tage Hitlers im Führerbunker ist weder so spektakulär noch so harmlos oder berechnend geraten, wie die hysterische Vorabberichterstattung der Medien glauben machen konnte. Der Untergang weckt nicht die "morbide Faszination", auf die sich der Spiegel freute, es ist kein "großer epischer Film fürs Kino" geworden, wie der Produzent Bernd Eichinger leichtfertig formulierte, und schon gar nicht wurde die trübe Endzeit Hitlers bis zu seinem Selbstmord mit kindlicher Begeisterung als der "Wahnsinnsstoff" behandelt, für den sich die Süddeutsche Zeitung begeisterte: "eine Geschichte, die in ihrer Verdichtung dramatischer nicht sein könnte".

Es ist im Gegenteil eine Art Kammerspiel geworden, das undramatischer nicht inszeniert sein könnte. Die Zeit dehnt sich im Führerbunker. Es wird gegessen und geschlafen. Besucher kommen und gehen. Einige wundern sich, andere wundern sich nicht über den Realitätsverlust, mit dem Hitler vom Bunker aus Truppen zu kommandieren versucht, die es über der Erde längst nicht mehr gibt. Manchmal singen die Kinder von Goebbels ein Lied. Das äußerste Zeichen der kommenden Auflösung ist der heimliche Zigarettenkonsum hinter dem Rücken des Diktators, der ein fanatischer Nichtraucher war. Bernd Eichinger, der auch das Drehbuch schrieb, kürzte die zwölf Tage auf zweieinhalb Stunden; aber so, dass sich die echte Langeweile von zwölf Tagen echten Wartens tatsächlich einstellt.

Denn Warten ist das alles nur noch. Manche im Bunker verdrängen es, aber alle wissen, dass der Krieg verloren und Hitler am Ende ist. Hitler selbst scheint es manchmal zu ahnen, auch wenn er noch über die unfähigen Militärs wütet oder von Hunderten neuer Düsenflugzeuge faselt. Vielleicht weiß er auch alles und spricht deshalb die berühmten Worte von dem Untergang, den das deutsche Volk nicht anders verdiene, weil es sich als unfähig erwiesen habe. Aber was lässt sich schon über Hitlers wirkliches Denken und Fühlen sagen?

Es entsteht ein großes Staunen über den Erfolg dieses Irren

Das ist eine Frage, die gemeinhin aus gutem Grund ausgelassen wird. Zwingend wird sie allerdings für einen Film wie diesen, der Hitler selbst auftreten lässt, und zwar täuschend echt, mit allen Eigentümlichkeiten, die von ihm bekannt sind. Bruno Ganz spricht wie der Hitler, den wir von Schallplatten kennen, er sieht aus wie der Hitler auf den historischen Fotos, er bewegt sich wie Hitler in den Filmaufzeichnungen. Mehr Hitler im Kino war nie. Weder Alec Guinness noch Anthony Hopkins, die sich schon einmal an der Imitation versucht haben, sind dermaßen in der Rolle verschwunden wie Bruno Ganz. Man erkennt den Schauspieler nicht wieder, in nichts.

Aber erkennt man deswegen Hitler? Man erkennt ihn jedenfalls nicht in dem Sinne, dass er als sozialer oder psychologischer Typus plausibel würde. Bruno Ganz ist manchmal bieder wie Hitler, manchmal charmant, manchmal treuherzig bis zur Blödheit; dann wieder brüllt er wie Hitler, diktiert seine Mordbefehle, wütet, tobt und sinkt aschfahl in sich zusammen. All das ist überliefert, all das zeigt Bruno Ganz. Aber wie es zusammenhängt, auf welchen Kern es verweist, wie man sich, kurzum, Hitler heute unter uns vorstellen müsste, das zeigt er nicht. Hitler bleibt ein unbegreifliches Monstrum, dessen Autorität und Anziehungskraft sich durch keine rückwirkende Einfühlung erschließt. Der Film vermenschlicht Hitler nicht.

Das ist in gewisser Hinsicht ein ästhetischer Sieg über alle Bedenken, hier könne der Massenmörder am Ende verharmlost, verniedlicht, vielleicht sogar sympathisch werden. Es ist aber auch eine große ästhetische Niederlage, weil es die Frage nach einer Botschaft, einer Lehre des Films aufwirft, die dieser nicht recht beantworten kann. Er erzeugt nur ein großes Staunen, er verstärkt noch die namenlose Verwunderung, die jeden Nachgeborenen spontan überkommt, wenn er an Aufstieg und Erfolg dieses Irren denkt. Wie aber ist der Irre in den Irrsinn gekommen, und warum hat sich dem Irrsinn ein halbes Volk (vorsichtig kalkuliert) begeistert angeschlossen?

Das machen auch die übrigen Figuren nicht deutlich, die der Film auftreten lässt, der kalt-schlaue Himmler (Ulrich Noethen), die naiv-muntere Eva Braun (Juliane Koehler), die fanatisch kalte Magda Goebbels (Corinna Harfouch), die opportunistischen Generäle Keitel und Jodl. Sie alle sind Menschen mit nachvollziehbarer Psychologie; aber gerade weil in sie Einfühlung möglich wäre, kann man sich nicht in ihre sklavische Abhängigkeit von Hitler einfühlen. Sie bilden, wie verbrecherisch auch immer, die Folie der Normalität, wie bizarr auch immer, von der sich Hitler und übrigens auch Goebbels (Ulrich Matthes) abheben.