Steven Spielberg sitzt in einem mexikanisch eingerichteten Raum seiner Produktionsfirma Amblin. Schwere Tische, dunkles Holz, an der Wand hängen bunte Ponchos hinter Glasrahmen. Amblin ist Spielbergs Trutzburg auf dem Gelände der Universal-Studios in Hollywood. Hier entstehen alle Projekte, laufen die Stränge des weit verzweigten Bilder-Imperiums zusammen. Und doch wirkt der Chef wie ein schüchterner Student mit zu früh ergrautem Bart. Steven Spielberg ist zurückhaltend und hört aufmerksam zu, zwischendurch bietet er lauwarmen dünnen Kaffee aus der Thermoskanne an. Er verströmt nicht die Arroganz des Erfolges, eher den ungebrochenen Stolz des kleinen Jungen, der es allen gezeigt hat.

DIE ZEIT: Sehnen Sie sich noch manchmal nach einem elektrischen Rinderstock?

Steven Spielberg: Nein. Die Zeiten, in denen ich mir wünschte, das Publikum wie eine Viehherde herumzutreiben und mit einem elektrischen Stock zu manipulieren, sind vorbei. Hätte ich das bloß niemals gesagt. Heute schäme ich mich ein bisschen dafür.

ZEIT: Warum? Man könnte die Freude an der Manipulation, am Entertainment, doch auch als Qualität sehen.

Spielberg: Als ich Mitte der siebziger Jahre Der weiße Hai drehte, ging es mir tatsächlich in erster Linie darum, dem Publikum eine Gänsehaut zu verpassen. Ich wollte, dass dieser Film so wirkte, als seien alle Sitze mit einem elektrischen Draht verkabelt. Ich wünschte mir einen Knopf, um die Beine der Zuschauer unter Strom zu setzen. Wenn der Hai aus dem Meer auftaucht, würden sie aus ihren Sitzen springen. Ich wollte ihnen Angst einjagen. Angst vor dem Ozean, Angst vor der Bestie, Angst vor dem Tod. Ich wollte, dass sich die Zuschauer so fühlten, als seien sie zusammen mit Richard Dreyfuss und Roy Scheider auf dem Boot. Damals glaubte ich, dass Manipulation das große Ding im Kino ist. Dass man nur auf diese Weise überhaupt eine Reaktion des Zuschauers erreichen kann.

ZEIT: Und heute?