DIE ZEIT: Der Ethikrat hat die lange geplante Stellungnahme zum Klonen auf September verschoben. Warum fällt es hoch qualifizierten Experten so schwer, ihre unterschiedlichen Auffassungen in einem gemeinsamen Bericht zu veröffentlichen?

Jens Reich: Es ist sehr zeitaufwändig, die Erkenntnisse im dynamischen Gebiet der Biotechnik zusammenzutragen – samt den juristischen Regelungen – und all dies so zu formulieren, dass alle Ratsmitglieder wenigstens die Fakten gemeinsam tragen. Weltanschauliche Differenzen erschweren dies, sie schlagen durch bis zu den Sachfragen.

ZEIT : Können Sie ein Beispiel nennen?

Reich : Der Klon, den es 1990 noch nicht gab, ist gemäß Embryonenschutzgesetz kein Embryo. Seine Herstellung ist deshalb dem Buchstaben nach nicht einmal verboten. Das Gesetz ist überdies aus mehreren weiteren Gründen veraltet, und es gibt Diskussionen, ob man es novellieren sollte.

ZEIT : Es gab bereits den Konsens, dies in einem Fortpflanzungsmedizingesetz neu zu regeln.

Reich : Ich bin nicht sicher, ob man dieses Riesenthema bald aufrollen sollte, in dieser Legislaturperiode wird es nicht gelingen. Man wird dann nämlich kaum umhin kommen, auch das heikle Thema Abtreibung erneut anzugehen.

ZEIT : Aktueller Streitpunkt im Rat war die Zulässigkeit des therapeutischen Klonens. Offenbar gibt es hierzu drei Positionen, eine vorsichtig befürwortende, eine abwägende und eine verbietende. Warum lässt sich das nicht einfach aufschreiben?