bioethik Vernunft gebiert MonsterSeite 6/6

Reich: Genau! Das zeigt die Fragwürdigkeit der Kopplung von experimenteller Totipotenz und »intelligibler« Menschenwürde. Sie können auch ein Gen vor der Entstehung des Embryos ausschalten, sodass er sich nicht in der Gebärmutter einnisten kann. Durch diesen Trick hätte er nie Totipotenz und folglich keinen rechtlichen Schutz vor Tötung. Ich halte es für verfehlt, Gesetze an einem manipulierbaren Merkmal wie Totipotenz festzumachen.

Das Gespräch führte Hans Schuh

Jens Reich ist Molekularbiologe, Essayist und Mitglied des Nationalen Ethikrates. Für diesen erarbeitete er die Materialien für die aktuelle Stellungnahme zum Klonen. Jens Reich studierte an der Humboldt-Universität in Berlin und wurde 1968 Forschungsgruppenleiter am Institut für Molekularbiologie der ostdeutschen Akademie der Wissenschaften. Seine Aktivität in der DDR-Opposition führte zur Zurückstufung als Wissenschaftler, 1990 wurde er Mitglied der letzten, frei gewählten Volkskammer. Seit 1992 forscht er als Bioinformatiker am Max-Delbrück-Centrum in Berlin

 
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