USA-Serie So viel HassSeite 5/5
Längengrad 112, Breitengrad 33,5; Arizona, Scottsdale, Ost-Phoenix. 110 Grad Fahrenheit. Phoenix ist ein Treibhaus. Die Blumen des Irrsinns sprießen. Schwüle drückt. Am Abend hat Big Pete Pearson ins Sugar Daddy’s nach Scottsdale geladen. Von neun bis zwölf steht der 67-Jährige wie eine Eins und shuffelt, groovt, treibt den Blues, den konservativen Kanon von Lust, Liebe, Lüge, Leid und Gottgläubigkeit, kraftvoll durch den Schuppen. Irgendwann dann, als die College-Girls der Upperclass betrunken weitergezogen sind, nuschelt Big Pete in die lärmende Stille von Sugar Daddy’s, dass der Blues, der Sound der traditionellen Verwurzelung, die Hymne des amerikanischen Mythos, nichts weiter will als die Wahrheit. Und dass er, Big Pete Pearson, wie so viele Country- und Rockmusiker dieser Tage, anschwellenden Groll gegen diesen unausstehlichen Präsidenten empfinde. Es klingt verschämt, als wäre es eine Beleidigung der geliebten Trustworthy Woman, der Defätismus eines aufrechten Patrioten. Dann, in der Morgendämmerung des Sonntags, endlich, kommt auf Phoenix reinigender Regen nieder.
- Datum 02.09.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 02.09.2004 Nr.37
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