Leitstern am LehrerhimmelSeite 3/3
In der Arbeit mit Schülern und Lehrern lautete Riegels oberstes Prinzip: »Nicht wegsehen.« Sie ließ Wände einreißen und sorgte dafür, dass Schüler während der Pubertät außerschulische, reale Erfahrungen machten. Auch die Lehrer der Helene-Lange-Schule wurden zur Selbstständigkeit ermutigt und zum Teamunterricht. Das fördert nicht nur den Austausch innerhalb des Kollegiums, sondern bringt auch Stärken und Schwächen zum Vorschein – was in Wiesbaden konstruktiv genutzt wurde. So erweiterten alle ihre Kompetenzen (auch die Schulleiterin) und legten den Grundstein zum Erfolg.
Ulrike Kegler, Leiterin der staatlichen Montessori-Gesamtschule in Potsdam, litt lange unter der »Infantilität der Kollegen«, wie sie sagt. Oft werde in Lehrerzimmern nur verächtlich über Schüler gesprochen, auf die jede Schuld abgewälzt werde. Auch auf Konferenzen der Rektoren und Direktoren hörte Kegler immer wieder die Frage: Wer hat Schuld? Konstruktive Debatten darüber, was die Schulen selbst für ihren Erfolg tun könnten, erlebte sie selten.
Mittlerweile hat sie an ihrer Potsdamer Schule kräftig »Klimapolitik« betrieben, wie sie das nennt. In ihrem Lehrerzimmer ist es zum Beispiel verboten, verächtlich über Schüler zu sprechen. Lehrer, die sich dem nicht anpassen wollten, haben die Schule verlassen. Dafür hält Ulrike Kegler, ähnlich wie Enja Riegel, ständig nach Kollegen Ausschau, die in die Schule passen. Manchmal, sagt die Schulleiterin, müssten die Lehrer regelrecht aus ihren Verstecken herausgelockt werden. Der Erfolg gibt ihr Recht. Die Montessori-Gesamtschule hat den Innovationspreis für Schulen in Brandenburg erhalten und steht bei den erstmals in diesem Bundesland durchgeführten Vergleichsarbeiten zum Abschluss der zehnten Klasse in ihrem Bezirk an der Spitze.
Buchtipp:
Armin Lohmann, Dorothea Minderop: Führungsverantwortung der Schulleitung
Luchterhand 2004, Euro 21,90
- Datum 02.09.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 02.09.2004 Nr.37
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