Null Prozent. Null Komma null Prozent – diese eine Zahl sagt mehr als alarmierende Worte. Denn kein einziger Jungprofessor in den Geistes- und in den Ingenieurwissenschaften hält seine weiteren Karrierechancen für sehr gut. Dieses erschreckende Ergebnis dokumentiert eine neue Umfrage der Jungen Akademie, einer Gruppe von Nachwuchswissenschaftlern, und der Denkfabrik Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Sie wird an diesem Donnerstag vorgestellt und lag der ZEIT vorab vor. "Diese Entwicklung ist dramatisch", sagt Katharina Landfester von der Jungen Akademie.

Zwei Jahre nach Einführung der Juniorprofessur als schnellen Weg in die wissenschaftliche Karriere zieht das über vierzig Seiten starke Papier eine Bilanz. "Die Erfahrungen sind sogar besser als befürchtet", sagt CHE-Experte Tassilo Schmitt. So sind 91 Prozent der Juniorprofessoren mit ihrem Job zufrieden oder sehr zufrieden. Nur 29Prozent fühlen sich dadurch belastet, dass sie zu viel lehren müssen, gerade jeder siebte Juniorprofessor sieht sich als überlastet an; dabei führen Skeptiker oft ins Feld, die Junioren gingen an Arbeitsüberlastung zugrunde. Die als miserabel gescholtene Ausstattung der Jungwissenschaftler hat sich zudem deutlich verbessert – auch wenn noch immer jeder dritte Jungprofessor keine Sekretärin hat, jeder zweite keine Mitarbeiter.

Solche "beklagenswerten Defizite", wie es in dem Papier heißt, gibt es aber zuhauf: So fürchten die befragten Wissenschaftler zuvörderst die Unsicherheit; ihre Stellen sind auf sechs Jahre befristet, eine Spur zur Dauerprofessur (tenure track) , bei der Leistungsträger eine feste Stelle bekommen, haben nur 7,4 Prozent in Aussicht. Dabei ist gerade der tenure track für 94 Prozent der Wissenschaftler wichtig oder sehr wichtig. "Wenn es einen tenure track gäbe, sähen die Zukunftsaussichten gleich ganz anders aus", sagt Tassilo Schmitt. Derzeit blicken 14 Prozent der Jungprofs negativ in die Zukunft, für 44 Prozent halten sich Chancen und Risiken die Waage. Für die akademische Karriere besonders wichtig ist das, was die Junioren in der Forschung leisten. Allerdings verwenden sie nur ein Fünftel ihrer Arbeitszeit darauf – "ein gravierender Wettbewerbsnachteil gegenüber Wissenschaftlern auf anderen Qualifikationswegen", heißt es in der Studie. Die Lehre dagegen verschlingt ein Viertel der Zeit – für eine Berufung auf eine Lebenszeitprofessur spielt sie nach Ansicht der Wissenschaftler aber nur zu einem Siebzehntel eine Rolle.

Zudem zeigt die Umfrage, dass den Juniorprofessoren der Nachwuchs ausgeht: Wurden Anfang 2002 in manchen Monaten über 80 Stellen ausgeschrieben, so sind es seit einem Jahr bedenklich weniger, oft nur 10 oder 20. "Wenn es weiterhin so wenige Juniorprofessoren gibt, werden sie keine Schule machen", warnt Katharina Landfester.

Junge Akademie und CHE lassen allerdings keinen Zweifel daran, dass die Juniorprofessur eine gute Idee ist, die Erfolg haben müsse. Daher müsse nun schnellstens ein tenure track her. CHE-Experte Schmitt: "Ohne tenure track ist die Juniorprofessur ernsthaft gefährdet." Zudem sollten Jungwissenschaftler weitaus besser ausgestattet werden und "unnötige Diskriminierungen abgebaut werden". Auch Katharina Landfester warnt: "Wir dürfen die Juniorprofessur nicht noch weiter dümpeln lassen, sonst wird sie langsam sterben."