Kriminalroman Der fette Orpheus und die heiße KartoffelSeite 2/2

Wie der Rechtsanwalt in Charles Dickens’ Roman Eine Geschichte zweier Städte (Anspielungsebene 1) bringt er die Wahrheit aus dem fremden Land zurück und holt wie Orpheus seine Eurydike (Anspielungsebene 2) die immer noch verdächtige Kinderfrau ins ehrbare Leben zurück. Währenddessen bemüht sich Pascoe darum, auf dem Laufenden und bei der Wahrheit zu bleiben. Doch die ist nicht einfach: Mehr als fünf verschiedene plausible Versionen jenes Wochenendgeschehens von 1963 kommen ans Tageslicht – mehr perspektivische Wahrheiten als in Kurosawas Film Rashomon – und werden destruiert.

Das ist schon als intellektuelles Rätselspiel hoch raffiniert. Doch Hill begnügt sich nicht damit. Die Wahrheit, schon schwer genug aus den Täuschungsversuchen und Selbsttäuschungen der Zeugen herauszufiltern, ist eine heiße Kartoffel. Wer sie in der Hand hat, muss den Mut haben, sie festzuhalten – da fällt so manch geliebte Pose, und manches Vorurteil stürzt ein. So wird der fette Orpheus Dalziel sogar zum Wahrheitsdiener. Und wir haben einen der besten Kriminalromane des letzten Jahrzehnts gelesen.

Reginald Hill: Ins Leben zurückgerufen

Aus dem Englischen von Xenia Osthelder; Europa Verlag, Hamburg, 2004; 382 S., 19,90 ¤

 
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