Roman Sophie DannenbergSeite 2/2
Natürlich wäre es antiemanzipatorisch und völlig unaufgeklärt, würde ein männlicher Rezensent Frauen die Fähigkeit zu deftiger Pornografie abzusprechen: Aber nimmt sich der Lustschrei beim Sex in der Damentoilette über »stalinstarken stahlharten Schwanz« nicht doch eher als ein Produkt allzu männlichen Humors aus? Und erst recht maskulin: die pathos-getränkte Kriegs-, Helden-, Flucht- und Untergangserzählung aus dem ostpreußischen Elend der letzten Wochen vor dem Ende des Schreckens im Jahre 1945, mit der sich die wirre und ziemlich unmotivierte Rahmenhandlung in letzten Kapitel schließt.
Beleidigt-patriotische Schwiemelprosa, Edwin Erich Dwinger redivivus (falls sich noch eine Seele an jenen Virtuosen des nationalen Ressentiments im rechts gestimmten »Schrifttum« von Weimar erinnert). Ein brauner Schatten, der am Ende über dieses seltsame Unternehmen kriecht. Leider nicht länger ein halbwegs amüsantes Experiment mit »Scherz, Satire, Ironie und tieferer Bedeutung«, sondern Kapitulation vor dem Kitsch.
Bleibt als ein harmloses Pläsier das Ratespiel, wer für die rasch verwelkende Komik des Buches und seine kleinen Geschmackskatastrophen verantwortlich ist: Sophie oder Tinchen oder wer? Und wer der Dichter, dem das Werk gewidmet ist?
Sophie Dannenberg: Das bleiche Herz der Revolution
Roman; Deutsche Verlags-Anstalt, München 2004; 320 S., 19,90 ¤
- Datum 02.09.2004 - 14:00 Uhr
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- Serie belletristik
- Quelle (c) DIE ZEIT 02.09.2004 Nr.37
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