Als ich rot wurdeSeite 17/17

»Nein«, sagt sie, »war nur ein Scherz.«

Natürlich kann ich mir Schöneres vorstellen, als mich samstagmorgens, während die meisten meiner Freunde noch schlafen, im Regen auf die Straße zu stellen und mich von Omis als »Arsch« beschimpfen zu lassen. Ich kann solche Erfahrungen nicht mit »höheren« Idealen kompensieren. Ich stehe hier, weil ich die Gesellschaft verändern, die Welt verbessern will – solche Sätze motivieren mich nicht, dazu fehlt mir der Glaube. Ich brauche fühlbare »Erfolge«: in Form von Anerkennung und Lob oder als Gewissheit, dass ich doch Dinge beeinflussen kann.

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Was kann ich mitentscheiden? Welche Menschen welche Ämter bekleiden. Zumindest in meiner Abteilung, meinem Juso-Kreis- und Landesverband. Ich kann Einfluss nehmen auf die Meinungsbildung, und ich kann versuchen, ein Projekt, das mir wichtig ist, umzusetzen. Solange man nicht die Räterepublik oder eine neue Linkspartei ausruft, kann man alles machen in der SPD.

Wenn ich Menschen von meinem SPD-Selbstversuch erzähle, ist deren erste Frage stets: »Und? Wirst du dabeibleiben?« Eine Frage, die ich mir natürlich auch schon gestellt habe. Um es vorwegzunehmen: Ja, ich werde Genosse bleiben.

* Diese Reportage ist ein Auszug aus dem Buch »Genosse Nachwuchs« (17,90 Euro) von Nicol Ljubić, das diese Woche in der Deutschen Verlags-Anstalt erschienen ist

 
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