afghanistan Warten auf die nächste BombeSeite 2/2
In Kabul ist die Nato-Truppe Isaf (mit 6500 Soldaten für die Sicherheit der Regierung zuständig) schwer zu übersehen. Schützenpanzer und Jeeps röhren durch den dichten Stadtverkehr, über den Köpfen knattern Hubschrauber, dazwischen sirrt schon mal eine unbemannte Drohne über die Dächer – was die Städter oft gewaltig nervt, ihnen aber unbedingt lieber ist als die Milizen ihrer Warlords oder die höchst skeptisch betrachtete neue Polizei. Drumherum: die Geschwader der privaten Sicherheitsdienste (Markenzeichen: T-Shirt, Sonnenbrille, Sturmgewehr), ganz zu schweigen von der unsichtbaren Internationale der Geheimdienste. Das eine oder andere Attentat ist so auch schon verhindert worden, aber die Verantwortlichen wissen nur zu genau: Die Hauptstadt, in zweieinhalb Jahren von einer fahlen Geisterstadt zu einer lärmenden, lebensfrohen Drei-Millionen-Metropole geworden, ist schlechterdings nicht abzuriegeln.
Und doch ist Afghanistan nicht der Irak. Selbst unter den tief konservativen Paschtunenchefs des Südens sind die Taliban verschrien; im Norden und Westen, wo die großen Warlords den Frieden als geschäftsfördernd begriffen haben, sind sie chancenlos. Was aber die Bevölkerung will, ist überall in den Straßen zu sehen, und nicht nur in der Großstadt: Scharenweise kommen die Mädchen nachmittags aus der Schule, und in den stillen Ecken sitzen Zwanzigjährige, die vor drei Jahren Munitionskästen trugen und jetzt Mathematik büffeln.
Die Taliban können gewiss noch Schreckliches tun. Aber sie können die Uhr nicht zurückdrehen.
- Datum 02.09.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 02.09.2004 Nr.37
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