DIE ZEIT: Herr Serra, Sie sind bekannt für Ihre rohen, hermetischen Stahlskulpturen. Nun nutzen Sie Ihre Kunst plötzlich für politische Zwecke. Sie haben sich an einer Aktion der kalifornischen Galerie Gemini GEL beteiligt, die für die Abwahl von George W. Bush kämpft. Warum?

Richard Serra: Es begann mit einem Poster für die Antikriegsorganisation United for Peace and Justice. Da greife ich die Bilder von Abu Ghraib auf, den Mann unter der Kapuze, dem man Elektroden an die Genitalien geklemmt hat. Das Motiv habe ich auch für Gemini verwandt. Abu Ghraib zeigt am besten die schockierende pornografische Fantasie der Republikaner, die Fantasie Bushs. Am 30. Juli schaltete ich auch eine Anzeige in der Nation, eine Montage mit Bush, dem das Goya-Bild Saturn verschlingt eines seiner Kinder zugrunde liegt – eine Arbeit in der Tradition von John Heartfield. Ich bekämpfe Bushs Politik des Erstschlags, seine Ablehnung aller westlichen Werte und Gesetze, der Genfer Konvention. In Abu Ghraib sind 35 Menschen zu Tode gefoltert worden. Bush steht für Selbstgerechtigkeit und für Gräueltaten. Er verbreitet Lügen, um muslimischen Ländern mit vorgehaltenem Gewehr seine Werte aufzuzwingen. Und die Medien machen mit, weil sie von den Konzernen abhängig sind.

ZEIT: Wann begann Ihre Empörung?

Serra: Ich empöre mich jedes Mal, wenn die Republikaner an der Regierung sind, aber George W. Bush ist noch viel schlimmer als sein Vater oder Nixon oder Reagan. Bush sagt, dass Gott uns erlaubt, Menschen zu töten. Es ist die abstoßendste, ekelhafteste, verhassteste Regierung, die es in den USA je gab.

ZEIT: Das Interesse am Irak scheint nachzulassen.

Serra: Ja, seit wir diese Marionettenregierung im Irak installiert haben, denken die Amerikaner, "das ist nicht mehr unser Krieg, sondern deren Krieg". Außerdem interessieren sich Amerikaner nur für ihre Toten, nicht für die Toten der Iraker.

ZEIT: Was ist, wenn Bush wiedergewählt wird?