Es war einmal eine Zeit, da war Arnold Schwarzenegger noch ein armer, steirischer Junge. Er stemmte Gewichte und träumte davon, der stärkste Mann der Welt zu werden. Er träumte nicht nur in der Nacht, es war ein "daydream" , wie er sagt. 1968 kam das Muskelpaket endlich in Amerika an. In Österreich wird er für seine nachfolgende Karriere bewundert. Ein Grazer Fußballstadion wurde schon zu Lebzeiten nach ihm benannt. Doch nun wundern sich manche seiner ehemaligen Landsleute über die "steirische Eiche". Denn vergangenen Montag, auf dem Parteitag der Republikaner, hielt der Schauspieler und nunmehrige republikanische Gouverneur Kaliforniens eine Lobrede auf George Bush . Das wäre noch nicht so schlimm, doch plötzlich erzählte er den strammen Delegierten den wahren Grund, der ihn zur Flucht aus Österreich veranlasste: die Sozialisten. Die Sozialisten? Nun, zunächst waren da einmal die Sowjets, die das Land mit den anderen Alliierten von den Nazis befreit hatten, es zehn Jahre (bis 1955) besetzt hielten und mitunter die Bevölkerung terrorisierten. Der kleine Arnold fürchtete sich vor ihnen: "Ich sah Kommunisten mit meinen eigenen Augen. Ich erinnere mich noch an die Ängste, unter denen wir litten, als wir den sowjetischen Sektor betraten. Schau nicht in ihre Augen, hatte man uns gesagt. Es war ein allgemeiner Glaube, dass die Sowjets einen Mann aus dem Auto zerren und als Arbeitssklave in die Sowjetunion verschleppen können."Die Republikaner applaudierten und Arnold plauderte weiter: "Nachdem die Russen abgezogen waren, sah ich, wie Österreich zu einem sozialistischen Land wurde. Missverstehen Sie mich nicht. Ich liebe Österreich, ich liebe die Österreicher." Aber vor den Sozialisten, die das Land nun im Griff hatten, musste er abhauen.Seltsam. Als Arnold Schwarzenegger in den Sechzigern Österreich verließ, hatte die Zweite Republik noch keinen gewählten sozialistischen Kanzler erlebt. Im Gegenteil: Stramme konservative Regierungschefs führten am Wiener Ballhausplatz ihr Regiment. Von 1945 bis 1970 regierte die konservative christlich-soziale Volkspartei (ÖVP). Sie stellte die Kanzler Leopold Figl, Julius Raab, Alfons Gorbach und Josef Klaus. Ja, die Schwarzen teilten sich das Land im Proporz mit den Sozialdemokraten auf, sie schufen mit ihnen die Sozialpartnerschaft, eine Art Nebenregierung. Auch autoritärer Mief, da hat Arnold schon Recht, verpestete das Land, das sich als Nazi-Opfer verstand. Doch "sozialistisch" war Österreich zu dieser Zeit noch nicht. Und die Genossen der KPÖ, auch "Kummerln" genannt, verkümmerten in der Bedeutungslosigkeit.Den ersten gesellschaftspolitischen Aufbruch, den ersten Rückbau autoritären Gedankengutes, verspürte Österreich in den Siebzigerjahren. Die schwarze Alleinregierung wurde abgewählt, die Arbeiterkinder bekamen kostenlose Schulbücher und durften anschließend erstmals gratis an den bürgerlich dominierten Uni studieren. Der Ehemann war nach einer Gesetzesreform nicht mehr Oberhaupt der Familie und in den Kerkern gab es bald keine Dunkelhaft mehr. Es waren keine Konservativen, die das Land derart durchlüfteten, sondern Bruno Kreisky. Ein Sozialist.Vielleicht könnte das irgendwer Arnold Schwarzenegger ausrichten, bevor er wieder einmal zu George Bush spricht. Der hat ja angeblich schon genug Probleme, die Welt zu verstehen.