energie Grüne Energie statt schwarzer KohleSeite 2/2
Mechtild Rothe, ebenfalls EU-Parlamentarierin, fordert derweil, den Ausbau der erneuerbaren Energien besser mit der EU-Strukturpolitik zu verknüpfen. »Da fast alle osteuropäischen Beitrittsländer stark landwirtschaftlich geprägt sind«, so die SPD-Frau, »bieten sich gezielte Programme für den Biomasseanbau an.« Nicht nur die wirtschaftliche Struktur der Beitrittsländer spricht dafür. Die energetische Verwertung landwirtschaftlicher Reststoffe und nachwachsender Rohstoffe trifft auch auf große Akzeptanz bei der Bevölkerung der Beitrittsstaaten. Fotovoltaik und Windenergie gelten dagegen vielerorts als »Luxusgüter aus dem Westen«, so der Berliner Politikwissenschaftler Danyel Reiche.
Tatsächlich könnten laut WWF die grünen Energien allein Polen bis zu 40000 Jobs bescheren – wenn die polnische Regierung die gesetzlichen Voraussetzungen dafür schafft. Dabei eröffnet sich für die Hersteller von Windrädern, Solar- oder Biogasanlagen mit der EU-Erweiterung ein riesiger Markt. Auf 18 bis 40 Milliarden Euro schätzt ihn WWF-Mann Volpi. Allein Tschechien, so das Umweltministerium Bayerns, müsse beitrittsbedingt in den nächsten zehn Jahren bis zu zehn Milliarden Euro in den Umweltsektor einschließlich der erneuerbaren Energien investieren.
Neue Arbeitsplätze bei den Ökoenergien hat Tschechien schon am Jahresende sicher: Der britische FKI-Konzern, Eigentümer des deutschen Windturbinenherstellers DeWind GmbH, wird künftig in Pilsen die dreiflügeligen Ökokraftwerke fertigen. »Bei der Verlagerung aus England haben nicht nur Kostengründe eine Rolle gespielt«, sagt DeWind-Sprecher Walter Delabar, »der gesamte osteuropäische Markt liegt demnächst vor unserer Haustür.«
Auf einen raschen Windkraft-Ausbau in Osteuropa setzt auch die Europa-Abgeordnete Rothe: »Das Parlament will Ende des Jahres eine neue Direktive beschließen, wonach in der ganzen EU der Strom- und Wärmebedarf im Jahr 2020 zu mindestens 20 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt werden soll.«
- Datum 09.09.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 09.09.2004 Nr.38
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