Die Filme von M. Night Shyamalan hatten immer schon etwas Wehmütiges. Sie zieht es zurück in jene Zeiten, als die Welt noch voller Rätsel war. The Sixth Sense, Signs oder Unbreakable halten vorfreudig staunend nach den Mysterien Ausschau, die nicht im Übersinnlichen wohnen, sondern im eigenen Vorgarten. Auch in seinem jüngsten Film, The Village, müssen die Aufklärung und ihre Folgen draußen bleiben. Erzählt wird die Geschichte einer Dorfgemeinschaft, die zwar die friedliche Koexistenz mit geheimnisvollen Waldbewohnern probt, den Kontakt zur Stadt und fortschrittlicheren Lebensformen aber so panisch wie kategorisch meidet. Bis der junge Lucius (Joaquin Phoenix) die Grenzen des Soziotops überschreitet und damit manche Heimsuchung auslöst. M. Night Shyamalans Filmsprache ist bestechend schlicht, schon asketisch und deswegen in ihrem zumeist nur angedeuteten Schauder nur umso wirkungsvoller. Ein Art ästhetischer Solidarpakt mit dem ideologischen Überbau der Dorfgemeinschaft, mit ihrem Puritanismus, aber auch mit ihrem zweifelhaften Konservatismus. Doch so begeistert man dem wunderbar spröde fotografierten Film über weite Strecken folgt, sich von seinem düsteren kulturpsychologischen Märchen über Zivilisation und Angst umspinnen lässt, so irritiert muss man am Ende Shyamalans Botschaft vernehmen. Seine erstaunlich ungebrochene Sehnsucht nach der patriarchalen Kommune und den fragwürdigen Idyllen jenseits von Antibabypille und Internet-Anschluss. Shyamalans Appell, dieses Dorf der weltflüchtigen Kulturpessimisten unter Artenschutz zu stellen, hat etwas so durch und durch Reaktionäres, dass man Lucius und seiner Gefährtin, der blinden Ivy (Bryce Dallas Howard), doch etwas mehr Schneid und Scharfsicht wünscht, damit sie die doppelbödige Moral und den heimlichen Totalitarismus der Eltern entlarven.