Vielflieger Jack Vrooooooooooooooom…Seite 2/2

Die Sache hat noch einen wichtigen Kniff: Auf jedem Flug darf Vroom jemanden mitnehmen. Er und seine Begleitung reisen kostenlos, und beide sammeln obendrein Bonusmeilen im Vielfliegerprogramm der Airline. Diese können sie später in weitere Flüge, Hotels oder Mietwagen ummünzen. Vroom, der ein gutes Schwätzchen und eine zünftige Partie Rommé zu schätzen weiß, lädt deshalb schon seit Jahren Freunde, Familienmitglieder und Zufallsbekanntschaften zu spontanen Weltreisen ein – es sind deren Ideen und Vrooms Launen, die den Reiseplan bestimmen. Nach Quito in Ecuador ist er einmal geflogen, mit zwölf Mitarbeitern, »um Fotos für einen Katalog zu machen«. Seinen heute 34-jährigen Sohn flog er kürzlich zu einer Flamme nach São Paulo, und ein paar Wochen später flog er die Freundin umgekehrt nach Dallas.

Er hat aber auch schon Aids-Patienten zu Familientreffen quer durch Amerika gebracht und einen Jesuiten zu einem Seminar nach Krakau begleitet, weil die katholische Kirche für seinen Flugschein nicht aufkommen wollte. Seit Jahren fliegt er den ehemaligen Elvis-Gitarrenspieler Scottie Moore zu Konzerten auf der ganzen Welt, weil der sich sein spätes Comeback allein nicht leisten könnte.

Ob Aids-Patienten oder arme Musiker: Vroom nimmt alle mit

Einen flüchtigen Bekannten brachte er kürzlich nach Australien, weil es dort seltene Motorradteile zu kaufen gibt. »Es war dann wohl das erste Mal in der Geschichte der Luftfahrt, dass einer mit zwei Reifen auf den Schultern in die First Class eingestiegen ist«, sagt Vroom und freut sich diebisch über solche Späße. »Ich liebe es, so viele verschiedene Leute kennen zu lernen. Langweilig ist es mir nie geworden.«

Und doch ist etwas eigenartig an den Reisen des rastlosen Amerikaners: Er mag Woche für Woche die Welt umkreisen, aber so richtig scheint er nirgends anzukommen. Begeistert erzählt er davon, wie er vor vier Jahren seine Tochter Grace für einen Tag nach London nahm und wie sie dann »eine Stunde mit Sightseeing verbrachten, egal, was uns da an Gebäuden über den Weg lief.« Ein Jahr später flog er sie nach Buenos Aires, und er kann sich nicht an den Namen der Gräber im La-Recoleta-Viertel erinnern, aber sehr wohl an die Flugzeiten. »Ja, ich habe eine etwas oberflächliche Sichtweise auf all diese Plätze«, sagt Jack Vroom, »das gebe ich zu. Aber ich kann ja jederzeit zurückkommen!« Und er esse lieber zu Hause in Dallas mit seiner Frau zu Abend als im Hotel, drum wolle er sich gar nicht erst lange aufhalten. Manchmal sei er fünf Abende in der Woche zu Hause.

In Wahrheit ist Jack Vroom wohl einer, der gern fliegt, aber ungern reist.

Mit einer Ausnahme. Jack Vroom hat noch Träume, von einem Teil der Welt, den er nie besucht hat: Afrika. »Da möchte ich unbedingt eines Tages hin«, sagt er, denn der Schwarze Kontinent war immer ein verbotenes Land für seine Reisepläne. Der Grund? »American Airlines hat dorthin leider keine Flüge«, sagt Vroom, der beim Abschied seine Reisetasche schultert und gemütlich in Richtung der Vielflieger-Lounge von Rio schlendert. Sein Rückflug ist schon auf den Monitoren angezeigt. »Grüßen Sie mir den Strand!«

 
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