Energie Deutscher Strom soll teuer bleibenSeite 2/2

Die angekündigte Reform wird das zumindest kurzfristig nicht ändern. Zwar soll die künftige Regulierungsbehörde laut Clement die Entgelte ebenfalls nachträglich kontrollieren dürfen – allerdings ist hierzulande noch keine Methode zur Feststellung von fairen Netzpreisen etabliert. Die Frage, ab wann eine Marktmacht ausgenutzt wird, müsste nach Einschätzung von Leprich in Hunderten von Gerichtsprozessen geklärt werden. Das könnte Jahrzehnte dauern – so lange bliebe alles beim Alten. Leprich empfiehlt stattdessen für ein paar Jahre eine Preisfestlegung im Vorhinein. So entstünde Planungssicherheit sowohl für industrielle und private Verbraucher als auch für die Versorger selbst – und deutlich mehr Transparenz. »Der Regulierer muss begründen, welche Unternehmen warum wie viel Geld verdienen dürfen«, sagt er.

Auf Transparenz würde die deutsche Energiewirtschaft gern verzichten. Die Trennung des Netzbetriebs von den Kraftwerken – in allen europäischen Ländern längst Alltag – sei »ein Anschlag Europas auf die seit 150 Jahren erfolgreich arbeitende integrierte deutsche Versorgungslandschaft«, sagt Uwe Steckert, Präsident des Bundesverbandes der Gas- und Wasserwirtschaft. Die Branche, die stets den Weg des Stroms von der Erzeugung bis zum Kunden lenkte, hat sich auf die Verteidigung ihres letzten Monopols eingerichtet: das Netz. Knapp 900 Gasnetzmonopolisten gibt es in Deutschland, dazu kommen rund 700 für die Stromleitungen. Steckert sieht durch den »Regulierungswahn« die Existenz vieler Unternehmen gefährdet.

Deutsche Versorger arbeiten auch im regulierten Ausland profitabel

Gegen die Argumente der Branche formiert sich Widerstand ebenso wie gegen die Pläne des Wirtschaftsministeriums. Leprich fordert, deutsche Netzmonopolisten in zehn Gruppen zusammenzufassen und Anreize für einen marktwirtschaftlichen Netzbetrieb zu setzen. Dann sei die Angst vor einer kostentreibenden Behörde ebenso unbegründet wie die Sorge, die Versorgungssicherheit werde gefährdet. Im Gegenzug könnte der Regulator Quersubventionen aufdecken und so einen fairen Wettbewerb ankurbeln. Deutsche Unternehmen brauchten sich davor nicht zu fürchten - schließlich arbeiten sie in regulierten Märkten durchaus profitabel, wie E.on und RWE in Großbritannien beweisen.

 
Service