Als ich am Madison Square Garden ankam, um meine Uniform abzuholen, war das Parteitagsbüro noch geschlossen. Ich fuhr also weiter nach Midtown, ins Hotel. Im Aufzug traf ich eine junge Frau mit Hund. Ich lobte das Hotel dafür, dass es Tiere in den Zimmern duldet. Die Frau sagte: "Das ist ein Kampfhund." Im Frühstückssaal wurde gerade aufgedeckt. Luftballons, ein Bush-Sticker pro Teller. Da ich noch Zivil trug, wollte mich keiner helfen lassen. Ich sollte dafür sorgen, dass jeder Delegierte eine Zeitung seiner Wahl bekam. Doch keiner fragte danach, gebündelt lagen die Zeitungen in der Eingangshalle, wie eine zum Verfaulen bestimmte Ernte.

Ich ging wieder in die Zentrale, um meine Uniform abzuholen. Zwei Herren saßen in der gleichen Klemme wie ich. Einer war aus Baltimore angereist und hatte unbezahlten Urlaub genommen, um für die Parteiversammlung zu arbeiten, der andere kam aus Texas. Der Texaner war rundlich und liebenswürdig. Der Herr aus Baltimore hatte dichtes Silberhaar und schwitzte kein bisschen in seinem wollenen Dreiteiler. "Die New Yorker wollen uns nicht haben", sagte der Texaner. "Nach allem, was wir für sie getan haben! Und jetzt sind 80 Prozent der Einwohner gegen uns!" – "83 Prozent", verbesserte der silberhaarige Herr. "Die Innenbezirke von Großstädten sind immer demokratisch. In Baltimore haben wir 90 Prozent Demokraten." Er klang zuversichtlich. "Eine echte Gefahr sind sie nicht."

Dann kamen unsere Uniformen. Sie waren sehr enttäuschend. Polohemden in verschiedenen Farben. Königsblau für die Damen. Auf dem kleinen Logo vorn stand "Republican Convention", auf dem großen am Rücken stand "Monster". Das ist die Firma, die die Hemden gestiftet hat. Alle Freiwilligen trugen Poloshirts mit dem Wort "Monster" auf dem Rücken.

Kindergartenfest in der Sportarena, Gefangenenlager am Hudson Pier

In den folgenden Tagen fingen die Behörden allerdings an, sich hauptsächlich vor Frauen zu fürchten. Berichte über weibliche Bombenattentäterinnen in Russland vermischten sich mit Bildern von New Yorker Frauen, die militante Spruchbänder wie Geschütze unter den Röcken hervorholten oder sich die Blusen aufrissen und Unterwäsche mit zersetzenden Parolen präsentierten. Sie wurden rasch weggetragen und wegen Ruhestörung durch das geschriebene Wort verhaftet. Die Behörden wurden langsam unruhig.

Mich hingegen langweilte die Arbeit als Hostess. Ich verbrachte viel Zeit auf der Straße. Flugblätter kursierten. Sie ermahnten die Demokraten, dass gewalttätige Demonstrationen gut für Bush seien, deshalb achtete man darauf, den Frieden zu wahren. Doch schon schiebende Menschenmengen galten als "Ruhestörung". Die komischen radfahrenden Polizeibrigaden waren gefürchtet. Sie stiegen ab und hielten ihre Fuji-Räder als scharfkantige Barriere hoch, um die Leute zusammenzudrängen. Es kam zu Massenverhaftungen, jeder wurde mitgenommen: ein Hausmeister, der den Müll wegbrachte, ein Pärchen, das einen Imbiss verließ, eine alte Frau mit einer Laufkatze, die vor der Public Library gestanden und das Victory-Zeichen gemacht hatte.

Fast 1800 Menschen wurden über 38 Stunden lang in einer mit Stacheldraht umzäunten Sammelstelle auf einem Pier am Hudson River festgehalten – 24 sind das gesetzlich erlaubte Maximum. Sie mussten ohne Decken auf dem Betonboden schlafen und bekamen Reiswaffeln zu essen. Am zweiten Tag der Inhaftierung warfen die Gefangenen ihre Essensrationen zusammen und legten damit ein riesiges Friedenszeichen. Die älteste Gefangene war mit Handschellen an ihre Gehhilfe gefesselt worden, an den Handgelenken sah man noch die Spuren.