Hintergrund

Wie die Universitäten auswählen

Die guten Universitäten der Welt, ob Stanford oder Harvard in den USA, Oxford oder Cambridge in England oder die französischen Hautes Ecoles, haben seit eh und je die Auswahl ihrer Studenten als vornehmstes Recht reklamiert. Und obwohl die Auslese in Deutschland lange als Verrat an der Chancengleichheit galt, beginnen jetzt sogar die Massenuniversitäten mit dem »Eignungsfeststellungsverfahren«.

An der Ludwig-Maximilians-Universität in München etwa lassen die Soziologen mittlerweile eine Eignungsklausur schreiben, und die Anglisten verlangen einen »avancierten Sprachtest«. Damit wollen auch die Geisteswissenschaftler die Notbremse ziehen gegen inflationäre Abbrecherquoten von bis zu 65 Prozent. Dass das funktioniert, hat hierzulande die Technische Universität München vorgemacht: Im Massenfach Informatik ging die Drop-out-Quote erheblich zurück. Die deutschen Kunst- und Musikhochschulen haben mit ihren Bewerbern schon immer Aufnahmetests veranstaltet. Die Kandidaten müssen vorsingen, -spielen, -fiedeln oder eine Mappe vorlegen (Seite 16).

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Auch die meisten privaten Hochschulen in Deutschland haben von Anfang an ausgelesen. Jüngst hat die Bucerius Law School (BLS) in Hamburg wieder zum abschließenden Testteil 216 Jura-Bewerber nach Hamburg gebeten. Sie mussten Referate halten, Diskussionen leiten, in Einzelgesprächen zu ihrem Werdegang und ihren Vorstellungen vom Studium Stellung nehmen und in der Gruppe ein Überraschungsthema analysieren und Lösungsvorschläge skizzieren. Nach zwei Tagen konnten die mehr als 50 Prüfer 125 Bewerbern eine Aufnahmezusage machen. Indes war die mündliche Prüfung nur die letzte Hürde eines dreistufigen Parcours. An erster Stelle steht die schriftliche Bewerbung (486 Bewerber). Dann folgt der fünfstündige schriftliche Prüfungsteil (418 Teilnehmer). Die Verlustraten an der BLS liegen bis jetzt bei fünf Prozent.

An der kantonalen Universität St. Gallen in der Schweiz haben sich Anfang August etwa 800 ausländische Studenten, die meisten von ihnen Deutsche und Österreicher, einem Zulassungstest gestellt, um einen der über hundert Plätze der Nichtschweizer zu ergattern. Der Test, der in den Teilbereichen Textanalyse, quantitatives Problemlösen, Sprachsysteme und Diagramminterpretation angesiedelt ist, dauert 190 Minuten und testet Kreativität, Problemlösungsfähigkeiten und Denkvermögen. Bewerber, die nur knapp über oder unter der geforderten Punktzahl liegen, werden zum Interview gebeten. Darin geht es wie in den Tests nicht um gelernten Stoff, sondern um Motivation, Differenziertheit im Denken und Erfahrungen sowie die Stärken und Schwächen des Kandidaten.

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