arbeit Mensch gegen MaschineSeite 3/3
So wie die DIN ISO 9241. Sie besagt, dass Software möglichst »erwartungskonform« und »fehlertolerant« sein soll. Das bedeutet, Antwortzeiten des Programms müssen »vorhersehbar« sein, Fehlermeldungen »erklärend« und Systemabstürze »ausgeschlossen«. »Zugegeben, das klingt sehr idealistisch, aber es sind einfach zu lösende Probleme«, findet Schäfer. Bisher haben das aber wohl wenige versucht. Außer vielleicht solche Hersteller wie Apple, der Hard- und Software noch in einem Haus fertigt und sagt, das neue Betriebssystem OS 10 laufe so stabil, dass Computerabstürze wirklich ausgeschlossen seien. Höchstens einzelne Programmteile blieben mal hängen, betont Unternehmenssprecher Georg Albrecht. Hoffnung setzen Wissenschaftler wie Ludger Schmidt auch in die Entwicklung »adaptiver Software«. Dabei erkennt das Programm anhand der Eingaben, wie versiert der Nutzer ist, und bietet gezielt Hilfestellungen an. Das geht weit über Microsofts wimpernklimpernde Büroklammer hinaus, die jedem dieselben Tipps andient. Die adaptive Technologie steckt allerdings noch in den Anfängen.
Das gesamte Thema Software-Ergonomie wird noch Jahre brauchen, bis es ins Bewusstsein vorgedrungen ist, prognostiziert Armin Windel von der Bundesanstalt Baua. Denn neben den Normen, die keiner kennt, gibt es auch übergeordnete Vorschriften, die jeder kennt, die aber die meisten trotzdem nicht umsetzen. Die staatliche Bildschirmarbeitsverordnung ist so eine. Sie schreibt seit 1996 vor, wie Computerarbeitsplätze zum Schutz der Mitarbeiter auszustatten sind. Dennoch: Knapp ein Drittel aller Bildschirmarbeitsplätze, fünf Millionen, genügen heute nicht einmal den Anforderungen, die Planer an Hardware und Aufstellung von Computern stellen. Bis zur Prüfung der Software-Erfordernisse sind Arbeitsmediziner noch gar nicht gekommen. »Ich fürchte, dass die Zahl der unzureichenden Plätze da noch unendlich viel größer sein wird als fünf Millionen«, sagt Ergonomieexperte Windel.
Daran sind nicht allein die Entwickler schuld, sondern auch die Unternehmen selbst. Obwohl es eine Herzensangelegenheit für sie sein müsste, dass ihre Mitarbeiter mit Programmen gut arbeiten können, »betrachten sie Software allzu oft als Stiefkind«, sagt Windel. Computerfrust oder Software-Funktionen sind auch bei den Arbeitgeberverbänden BDI und BDA und beim Technologie-Branchenverband Bitkom kein Thema, bestätigen alle drei auf Anfrage: »Das regelt jedes Unternehmen für sich.« Viele Firmen aber sparen gerade an der Software oder kaufen eine Vielzahl von Programmen unterschiedlicher Anbieter und wundern sich anschließend, warum nichts glatt läuft. Oder sie setzen ihren Mitarbeitern Programme vor, ohne nach Vorkenntnissen oder Wünschen zur Handhabbarkeit zu fragen. Windel: »Und Angestellte nehmen die Programme zu oft als gottgegeben hin.«
Was also tun? Die Bundesanstalt hofft auf die Macht der Anwender: »Wir sind nicht in den goldenen Zeiten, in denen wir als Behörde von den Unternehmen Zugeständnisse einfordern können, also muss da mehr Druck von unten kommen, um die Vorstände zum Umdenken zu zwingen.« Software sollte nicht nur eine Sache der IT-Abteilungen sein, sondern in Mitarbeitergremien und bis hinauf zur Geschäftsführung diskutiert werden. Bildschirmarbeiter können dazu mit den Richtlinien der VBG ihren Arbeitsplatz überprüfen, sie müssten sich über Software-Mängel auf jeden Fall bei ihren Chefs beschweren, und sie sollten an Schulungen teilnehmen, um mehr hilfreiche Funktionen ihrer Programme auszuloten. Und wenn alles nichts hilft: Ruhig den PC anschreien! Das baut Stress ab, davon ist Arbeitswissenschaftler Ludger Schmidt überzeugt. Ein bisschen Aggression darf schon sein, schließlich schadet Schimpfen den Rechnern überhaupt nicht.
- Datum 16.09.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 16.09.2004 Nr.39
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