»Billige Stimmungsmache«Seite 3/3
ZEIT: Wir leben im Jahr der Innovation, aber die Wissenschaftler fühlen sich durch immer neue Vorschriften gegängelt; die Stimmung in der Forschung ist düster. Innovation und Bürokratie – wie passt das zusammen?
Künast: Die Beachtung des Eigentumsschutzes anderer kann man ja wohl nicht als Gängelung empfinden. Im Übrigen: Forschung findet mitten in der Gesellschaft statt. Sie ist ein Teil von ihr. Wenn manche behaupten, die Stimmung sei für sie düster, dann sollten sie auch bedenken, ob ihre eigenen Äußerungen nicht dazu beitragen, den Forschungsstandort Deutschland herunterzureden. Mit solchen Stimmungsdebatten tun sich die Forscher keinen Gefallen. Sie sollten vielmehr sachbezogen argumentieren. Da ist noch viel Raum. Das Innovationspotenzial der Gentechnik liegt übrigens nicht allein in der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion, sondern gerade auch im medizinischen Bereich, in der roten Gentechnik…
ZEIT: …die hier in Deutschland lange ausgebremst wurde.
Künast: Aber ist es nicht richtig, dass man bei neuen Technologien auch einmal ethische Fragen diskutiert? Auch wenn es lange gedauert haben mag, heute eröffnet uns die rote Gentechnik eine Vielzahl neuer Möglichkeiten. Wir führen um die Gentechnik eine gesellschaftliche Debatte, und die hat kein bösartiger Politiker erfunden. Forschung will von dieser Gesellschaft und den Steuergeldern finanziert werden. Deshalb sollte sie nicht die Konfrontation, sondern die offene Diskussion suchen, dazu sind wir jederzeit bereit.
Die Fragen stellten Andreas Sentker und Hans Schuh
Renate Künast ist seit Januar 2001 Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. Seither kämpft die 48-jährige Grüne gegen Spam in der Mailbox und Fast Food auf Kindertellern, für die Wahlfreiheit der Verbraucher, mehr Ökolandbau und besseren Tierschutz im Grundgesetz. In der Auseinandersetzung um die grüne Gentechnik hat die Juristin eine klare Position: Auch wenn die Bundesregierung europäisches Recht umsetzen und Gensaaten auf deutschen Äckern zulassen muss, darf die Existenz konventioneller wie ökologischer Landwirtschaft nicht gefährdet werden.
- Datum 16.09.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 16.09.2004 Nr.39
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