Das globalisierte AlternSeite 5/5

Jeder Buchladen hat heute eine Abteilung »Altenpflege«. Die vielen Wege, auf denen sich Schriftsteller, Politiker und andere Prominente um ihre Eltern kümmern, sind zum liebsten Lesethema der mittleren Generation geworden. Auslöser des Altenpflege-Lesebooms war einst der Bürgermeister der Stadt Takatsuki bei Osaka: Er legte sein Amt nieder, als seine Frau an Alzheimer erkrankte. »Bürgermeister können andere werden, aber für meine Frau gibt es nur mich«, begründete das Stadtoberhaupt seinen Schritt.

In dieser Atmosphäre, in der das Altern der Nation längst als Schicksal akzeptiert ist, fällt es der Politik leicht, Reformen zu verordnen. Schon im Oktober 2001 wurde das Rentenalter von 60 auf 65 Jahre heraufgesetzt – ohne Proteste auszulösen. In diesem Juni brachte das Parlament bereits die zweite Reform auf den Weg: Sie erhöht die Beiträge und senkt die Auszahlungen der staatlichen Rentenversicherung. Zwar gab es diesmal durchaus Proteste, doch weniger gegen den Inhalt der Reform als gegen Politiker, die sich ihr nicht anschlossen. Das traf auch Premierminister Junichiro Koizumi, der seine Rentenbeiträge nicht bezahlt hatte. Dieser Skandal hätte ihn bei den Wahlen im Juli fast den Sieg gekostet.

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Eine neue Umfrage der Regierung zeigt, dass die Japaner die Reform der Renten- und der Krankenversicherung als wichtigste Aufgabe sehen, erst dann folgt die Verbesserung der Wirtschaftslage. Die Prognosen sind eindeutig: Im Jahr 2025 wird schon ein Drittel der Bevölkerung über 65 sein, zumal die Kinderzahl weiter abnimmt. Das treibt Firmen wie Toyota dazu, Fließbänder für Alte einzurichten – beim Autobauen muss man dann nicht mehr aufstehen. Auch für die Unternehmen gilt das Prinzip der Eigenverantwortung: Sie sollen aus eigenem Antrieb die Produktion so umstellen, dass bis ins hohe Alter gearbeitet werden kann.

Leidtragende der auf viel privater Fürsorge beruhenden Alterspflege sind die Frauen. Von ihnen wird immer noch der Großteil der Pflegedienste erwartet. Dabei sind über die Hälfte von ihnen berufstätig. Und: Viele sind selbst alt, wenn ihre Eltern Pflege brauchen. Oft kümmert sich dann eine 70-jährige Tochter um ihre 95-jährige Mutter. Dennoch sagen sich viele Frauen: Zur ältesten Nation der Welt zu gehören ist nicht Pech, sondern Glück. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung ist mit 85 Jahren Weltspitze.Chikako Yamamoto

 
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