Es ist kühl in der Hitze Sevillas. Nur dort allerdings, wo Stein und Keramik, der Schatten der Pflanzen, das fließende Wasser in den Gebäuden für Schutz vor der Hitze sorgen. 43 betäubende Grad sind es draußen, doch unter den Rundbögen des Palastes Alfonsos XIII., neben den Säulen, den Palmen des lichten bewässerten Innenhofs, lässt sich reden: über diese arabische Kunst Andalusiens, die vor 1000 Jahren Europa zum Blühen brachte. Über die Frage, was arabisch heißt angesichts der Gewalt, die seit dem 11. September neu in der Welt ist. Der Schriftsteller Abdelwahab Meddeb ist gerade aus dem nahen Tanger, dem arabischen Nordafrika ins europäische Sevilla zurückgekehrt.

DIE ZEIT: Ein Schriftsteller soll den Seinen zu sehen helfen, was ihnen den Blick verstellt. Das schreiben Sie in einer Analyse der islamischen Krise. Sie sind ein Pariser Intellektueller, der aus einer islamischen Gelehrtenfamilie Tunesiens stammt. Wer sind also die Ihren? Für wen schreiben Sie?

Abdelwahab Meddeb: Ich misstraue dem Gebrauch des Pronomens, einem Ich, das sich mit dem Wir verwechselt. Aber trotz dieser Entschlossenheit, als Individuum zu niemandem zu gehören, gibt es den Willen, Grenzen zu überschreiten. Der Eigenname Abdelwahab bezieht seine Kraft aus der arabischen Sprache, aus der Tradition des Islams. Er bedeutet Diener des Herrn und führt also theologische Grundfragen des Islams zusammen: die der Unterwerfung unter Gott, den Absoluten, und die nach den vielen Namen Gottes. Der Urvater Abraham ist der erste Mensch, der sich der primären Bedeutung der Religion bewusst wird: Der Mensch unterwirft sich dem Absoluten. Die Frage der vielen Namen Gottes, die in Abdelwahab anklingt, spielt später in der mittelalterlichen Schöpfungslehre des Philosophen Ibn Arabi eine bedeutende Rolle. Es sind ja die Namen Gottes, die in dieser Lehre zur Schöpfung maßgeblich beitragen.

ZEIT: Und was heißt Meddeb?

Meddeb: Im alten Tunesien hieß Meddeb Schriftgelehrter und heute einfach Lehrer des Korans. Ich führe dies aus, um zu zeigen: Der Name Abdelwahab Meddeb gehört dem Islam an. Jeder Europäer, der ihn hört, ordnet ihn dem Arabischen zu. Dieser Eigenname schließt das Wir des Islams ein. Die Gefahr und Herausforderung, die der Islam für die Welt bedeutet, haben mich genötigt, öffentlich neu über jene Welt meiner Kindheit nachzudenken, in der ich zum Subjekt wurde.

ZEIT: Wer hat Ihren Namen für Sie ausgewählt?