Ökologie Der Obstkorb der NationSeite 4/4

Rund um die Kirche von Neuenfelde indes wurden viele Häuser bereits aufgegeben, verkauft an die Saga GW, den Hamburger »Gleichordnungkonzern« (wie er sich selber nennt), der zurzeit 133.000 Wohnungen besitzt und sich zum Ziel gesetzt hat, seine Investitionen »mit Prozessen der Stadtteilentwicklung zu vernetzen«. Niemand wohnt hier mehr, niemand zieht hier noch ein. Zeitschaltuhren knipsen Lampen an und aus. Weiter draußen wurden kürzlich schon mal fünf Häuser abgerissen. Für den Fall, dass die Startbahn doch noch verlängert wird. Die Kirche St. Pankratius liegt als anerkanntes Luftfahrthindernis schon jetzt ziemlich dicht daneben. Nachts leuchtet eine rote Lampe am Turm, tagsüber lernt Meister Schnitgers Orgel das Zittern.

Hinter dem Neß-Hauptdeich an der Alten Süderelbe halten die Autos immer noch vor einer Art Bahnschranke, wenn ein Flugzeug über die Straße zur Startbahn rollt. Airbus hat Vorfahrt. Bereits jetzt arbeiten hier 9.700 Menschen, sind 1.600 neue Arbeitsplätze geschaffen worden und bei Zulieferbetrieben noch mal 300. Die ehemalige Elbinsel ist eine der größten Flugzeugwerften der Welt. Derzeit werden die Typen A318, A319 und A321 in Finkenwerder zusammengebaut. Vielleicht hat auch der A320 in Hamburg eine Zukunft. Bisher wird der Typ nur in Toulouse montiert, aber dort scheinen die Kapazitäten ausgelastet zu sein. Was kommt? Was wird bleiben?

Eine Vision geht durch die Presse. In einigen Jahren könnte das Alte Land Weltkulturerbe der Unesco werden, wie der Beemster Polder in den Niederlanden, der im 17. Jahrhundert vor den Toren des reichen Amsterdam geschaffen wurde. Das Deichtum des Alten Landes ist viel älter. Merkwürdig. Offenbar ist es vergessen worden. Es hat sich wohl auch selbst vergessen.

Der Autor ist Journalist und lebt in Hamburg

 
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