Menschen, Tiere AdoptionenSeite 2/2

Der Orang-Utan
Angela Krüger, 56 Jahre

Als mein Mann 1999 im Krankenhaus lag, auf Leben und Tod, bin ich zwischen den Besuchen auf der Intensivstation immer in den Zoo gegangen, vor allem im Menschenaffen-Haus. Hier kann ich besonders gut abschalten. Ich hatte schon immer einen Faible für Affen. Das fing bereits als Kind an. So wie andere einen Teddybären bekamen, besaß ich einen Plüschaffen namens Lumpi. Der war meine Bezugsperson, dem hab ich alles erzählt. Im Affenhaus stellte sich dann heraus, dass ich einen ganz besonderen Kontakt zu diesem Orang-Utan-Weibchen Bini hatte. Die muss instinktiv meine Sorgen und meinen Kummer gespürt haben. Sie kam immer sofort an die Scheibe, hat die Hände dagegengedrückt, lange bei mir gesessen und versucht, mich mit ihren Gesten und ihrer Mimik zu trösten. So habe ich das jedenfalls verstanden. Als mein Mann dann unerwartet wieder ganz gesund wurde, habe ich die Patenschaft übernommen, um danke zu sagen, weil sie mir so geholfen hat. Jeden Samstag bringe ich Bini etwas Schönes mit. Wassermelone oder Ananas, die sie hier nicht so häufig bekommt, oder Gießkännchen, gefüllt mit Nüssen, damit sie zusätzlich zum Essen auch was zur Beschäftigung hat. Dass Bini mich erkennt, weiß ich. Selbst wenn eine Menschentraube vor ihrem Käfig steht, wenn ich hereinkomme, geht ihr Blick erst einmal zu mir.

 
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  • Quelle (c) DIE ZEIT 23.09.2004 Nr.40
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