Lektion 1: Für Karaoke-Freunde

Das Ganze beginnt mit einer Ernüchterung. Englisch lernen mit Paul Auster steht auf dem Klappentext der CD. Wer schon einmal die sonore, leicht angeraute Stimme des amerikanischen Autors gehört hat, der kann sich durchaus vorstellen, dass auch noch der letzte Anglophobe plötzlich mit Begeisterung englischer Literatur lauschen wird. Selbst durch dessen Gehörgänge würden sich die fremden Vokabeln bis ins cerebrale Lernzentrum schleichen und dort auf ewig haften bleiben, weil sie verbunden sind mit dieser Stimme, Paul’s voice.

So weit die Vorstellung. Tatsächlich liest aber nicht Auster, sondern ein keineswegs vergleichbarer Sprecher dessen Red Notebook im Original. Überrumpelt und tief enttäuscht, kann man den ersten zwei Texten kaum folgen.

Das Hörbuch kommt ohne jegliche akustische Zusatzreize aus – keine Begleitgeräusche, keine Eingangs- oder Pausenmusik. Nackte Worte, naked English. Der Sprecher, der nicht Paul Auster ist, spricht ein deutliches amerikanisches Englisch, so wie man eben auf einer Sprach-CD liest: Korrekt, aber unpersönlich. Wer dem üblichen Hörbuch-Syndrom erliegt – dem Wegdämmern über die vielen, noch dazu fremden Worte, der kann von Zeit zu Zeit das Begleitheft zur Hand nehmen und mitlesen. Und er bekommt da immerhin einige Vokabeln übersetzt. Ratsamer ist es, man geht gleich zum amüsanteren Teil des "interaktiven Fremdsprachen-Lernpakets" über: zu der CD-ROM – leider nur abspielbar auf einem Windows-PC. Hier beginnt ein wahres Literatur-Karaoke: Jede Zeile, die vorgelesen wird, wird farbig markiert. Und man kann interessante Effekte erzielen, wenn man mit der Maus das Sprechtempo des Erzählers drosselt oder beschleunigt. Nur wie Paul wird sich diese Stimme nie anhören. Und so bleibt ein kleiner Lern-Widerwillen. Aus Protest.

Paul Auster: The Red Notebook, CD, CD-ROM und Textbuch, Digital Publishing, 17,99 Euro

Lektion 2: Für Kinderliebe