physik »Physiker sind anarchistische Naturen«Seite 7/7

ZEIT: Der LHC wird größer sein als alle Beschleuniger zuvor. Geht diese Entwicklung endlos so weiter, weil man immer höhere Energien erzeugen muss, wenn man tiefer und tiefer in die Struktur der Materie schauen will?

Veltman: Die Grenze des finanziell Machbaren ist nahe. Der LHC ist ein kreisförmiger Proton-Proton-Beschleuniger. Doch Protonen bestehen aus drei Quarks, und eigentlich will man die Prozesse zwischen diesen Quarks studieren. Deshalb wird bereits an effizientere, etwa 30 Kilometer lange lineare Beschleuniger gedacht, in denen sich zwei Teilchenquellen wie Kanonen gegenüberstehen und Elektronen und Positronen aufeinander schießen. Eines dieser Langzeitprojekte heißt Clic. Es wird am Cern studiert. Man hat dafür neue Technologien skizziert, weiß aber nicht, ob sie funktionieren.

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ZEIT: Ein letzter »Klick« zum Ende der experimentellen Teilchenphysik in zehn Jahren?

Veltman: Das ist gut möglich. Forschung wird immer teurer, auch beispielsweise in der Medizin. Wir leben im Luxus, das empfinde ich sehr deutlich. Die Menschen können sich solche Forschung vielleicht bald nicht mehr leisten, selbst wenn sie wollten. Wer weiß schon, was aus der Welt wird, wenn die Ölvorkommen aufgebraucht sind? Ich bin da pessimistisch. Blickt jemand aus dem Jahr 3000 auf unsere Zeit zurück, kann er zumindest sagen, wir Teilchenphysiker hätten ihm ein besseres Verständnis der Natur hinterlassen.

Das Gespräch führte André Behr

Martinus Veltman forschte von 1961 bis 1966 am Cern. 1999 erhielt er gemeinsam mit Gerardus 't Hooft den Nobelpreis für Physik. Er hatte die Teilchenphysik auf ein mathematisches Fundament gestellt

 
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