DIE ZEIT: Der Bundeskanzler musste Sie zum Jagen tragen, als er Ihnen vor zwei Jahren das Ministeramt anbot. Wovor hatten Sie Angst?

Renate Schmidt: Ich hatte einfach andere Pläne. Ich bin seit 43 Jahren erwerbstätig, ununterbrochen, ohne normale Arbeitszeit. Die 40-Stunden-Woche kam bei mir in drei Tagen zusammen. Ich habe drei Kinder, vier Enkelinnen, einen Mann, den ich sehr liebe. Für die wollte ich einmal Zeit haben.

ZEIT: Drängeln musste Gerhard Schröder Sie aber auch, Ideen vorzulegen, wie man die Deutschen zum Kinderkriegen motiviert. Haben Sie Ihre Radikalität als Familienpolitikerin verloren?

Schmidt: Ich weiß nicht, ob ich so radikal bin, ich finde mich ausgesprochen vernünftig. Im Übrigen war die Reihenfolge so: Bei der Klausurtagung des Kabinetts in Neuhardenberg habe ich zu diesem Thema Vorschläge gemacht, daraufhin bat mich der Bundeskanzler, Details auszuarbeiten.

ZEIT: Vor allem Besserverdienende wollen Sie mit einem "Elterngeld" zum Kinderkriegen animieren, weil die jungen Akademiker am meisten zögern. Gedeckelt bei der Beitragsbemessungsgrenze, sollen sie ein Jahr lang zwei Drittel ihres Nettoeinkommens bekommen. Aber nur, wenn auch die Väter Elternurlaub nehmen – ist das nicht zu viel Zwang?

Schmidt: In Schweden ist es problemlos möglich, dass Eltern je ein halbes Jahr Elterngeld beziehen. Der Vater kann vier Monate auf die Mutter übertragen, aber zwei Monate sind für ihn verbindlich. Wenn wir das Konzept im Jahr 2006 verabschieden, könnte es 2008 in Kraft treten.