Teichmanns Problem hat einen wohlklingenden Namen: Aston Martin. Wenn Teichmann mit seinem wertvollen Wagen durch Österreich oder die Schweiz kurvt, applaudieren die Leute am Straßenrand. In Deutschland pöbeln sie ihn an. "Ich kann froh sein, wenn die mir nicht aufs Blech spucken."

Heinrich Teichmann (Name geändert) steht auf ein schnelles Helles an der Bar im Rauchfang, einem Restaurant für Reiche in Kampen auf Sylt. Hier laufen die Geschäfte trotz Konjunkturkrise so gut wie nie zuvor. Hier finden Möbelfabrikanten und Immobilienmagnaten eine Zuflucht, hier können sie über große Autos und kleine Flugzeuge fachsimpeln.

Hier fühlt Teichmann sich wohl.

Bauunternehmer ist er, "und kein ganz kleiner". Vierte Generation. "Ich will noch an die fünfte übergeben." Obwohl auch er es nicht leicht hat zurzeit. Zu wenig Nachfrage. Doch Teichmann macht weiter. "Das sollte man auch mal honorieren."

Honoriert aber keiner. Stattdessen muss Teichmann Angst haben um den Lack seines Autos. Unternehmer seien eben nicht mehr beliebt im Land. Überall Neid. "Sozialneid", sagt Teichmann.

So hat in diesem Hartz-Herbst jeder einen Grund zur Klage.

Die einen fühlen sich vom Staat verfolgt, weil der ihnen die Unterstützung kürzt, die anderen von ihren Landsleuten, weil die ihnen nicht gönnen, dass ihnen das alles egal sein kann: die Arbeitslosigkeit und der Abschwung Ost und überhaupt die ganze Trübsal.

Deutschland 2004: Die Wirtschaftskrise durchläuft das vierte Jahr, ihre Spuren werden breiter. Käme heute irgendein Wohltäter auf die Idee, den zwei Millionen Haushalten am unteren Ende der Vermögensskala zwölf Milliarden Euro zu schenken, stünden sie trotzdem bei null. So viel brauchten sie allein, um ihre Schulden zu zahlen.