reichtum Wo stehen die Reichen?Seite 9/10
Die Frage ist nur, ob es bei der Verantwortung der Wohlhabenden wirklich nur um Geld geht.
Nein, sagt der Bremer Historiker Paul Nolte. Es gehe darum, wieder Teil der Gesellschaft zu werden: »Wer sitzt denn in den Elternbeiräten der Schulen oder gründet einen Nachbarschaftsverein, das sind meist Angehörige der Mittelschicht, selten die wirklich Reichen.« Nolte sieht die Gefahr, dass sich niemand mehr dem Ganzen zugehörig fühlt. Dass sich nicht nur die soziale Unterschicht aus der Gesellschaft verabschiedet, sondern auch die Oberschicht. Die eine wählt die Radikalen, die andere die Côte d’Azur.
Oder die Landstraße von Bietingen nach Schaffhausen.
Ganz unten im Süden Deutschlands steht an der Fahrbahn ein gelbes Haus, neben der Tür hängt ein Adler auf goldenem Grund, darunter steht: Zollamt. Ein paar Meter weiter beginnt die Schweiz.
Der Grenzübergang Bietingen ist der Arbeitsplatz des Klaus Graf, von Beruf Zollbeamter. Schwarze Hose, grünes Hemd, an der Hüfte die Dienstwaffe. Seit ein paar Jahren, sagt er, suchten sie hier nicht nur nach geschmuggelten Waren, sie schauen auch aufs Geld. Bis 15000 Euro in bar darf man unangemeldet ausführen, aber einige der Tausenden, die da täglich über die Grenze fahren, haben mehr dabei. 50000, 100000 Euro, einmal sogar 700000 Euro. Nachschub für die Konten in der Schweiz, von denen das Finanzamt nichts wissen soll.
Für gründliche Kontrollen fehlt dem Zoll das Personal, aber zwei, drei Geldschmuggler am Tag bleiben trotzdem hängen. Hoteliers aus Berlin, Brauereibesitzer aus dem Schwäbischen, gescheitert am Instinkt der Zöllner. Oder an Voxi, dem Geldhund, einem Deutschen Schäfer, trainiert auf den Geruch von Euroscheinen.
- Datum 23.09.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 23.09.2004 Nr.40
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