Verdienen am RessentimentSeite 2/2
Dem Vorwurf, man vertrete womöglich deutsche Interessen, war der Springer-Verlag in Polen von Anfang an entschieden begegnet. Die meisten Fakt-Redakteure stammen aus den konservativen Oppositionskreisen der mit Solidarnoc verbundenen Tageszeitung Z
ycie. Ihre Berichte fallen, wann immer es um Deutschland geht, überaus kritisch aus - sie entsprechen, mit anderen Worten, der Stimmung in Polen. Die Aktivitäten der Preußischen Treuhand und des Bundes der Vertriebenen haben alle möglicherweise vorhandenen Anflüge von Sympathie für das Nachbarland vertrieben. Was kann ein Boulevardblatt da anderes tun, als sich anzupassen?
Dem Geschäft schadet diese Haltung nicht. Binnen weniger Monate ist Fakt zur einflussreichsten Tageszeitung des Landes mit mehr als sechs Millionen Lesern aufgestiegen. Natürlich ruft auch der Erfolg die Kritiker auf den Plan. Der Springer-Verlag sei doppelzüngig, lautet ein Vorwurf - er pflege in Deutschland antipolnische und in Polen antideutsche Vorurteile. Unter allen Kritikpunkten ist dies womöglich der ungerechteste. Denn die publizistische Linie des Hauses hat der Verlag längst eindeutig geklärt: Gedruckt wird, was der Auflage und dem Anzeigenaufkommen dient - in Polen wie in Deutschland.
- Datum 23.09.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 40/2004
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