eu-erweiterung »Sag niemals nie«Seite 2/2

Verheugen erinnerte damit abgeklärt an die lange Erweiterungsgeschichte, die fast zur Raison d’être der Europäischen Gemeinschaft wurde. Seit der Aufnahme von Großbritannien, Irland und Dänemark 1973 hat sich dieses Europa von Erweiterung zu Erweiterung entwickelt. Inzwischen zählt man Ausdehung Nummer fünf, die sechste Expansion um Rumänien, Bulgarien und wohl Kroatien ist im Kalender für 2007 vorgemerkt. Der übrige Balkan, so sieht man das in Brüssel, wird folgen, vielleicht vor einem Beitritt der Türkei, vermutlich eher zur selben Zeit.

Und dann? Genau um dieses Fragezeichen rankt die Sehnsucht der Armenier und Georgier, Marokkaner und Ukrainer. Zwar sagt die Union laut nein. Insgeheim freilich, siehe Polen oder Spanien, ergänzt da mancher ein »Vorläufig«.

Romano Prodi besuchte Anfang September eine Brüsseler Ausstellung zum »Image Europas«, die er selbst beim Rotterdamer Stararchitekten Rem Kohlhaas bestellt hatte. Im Jahr 2015 hätte sich dieser Eurovision zufolge auch die Südhälfte des einstigen Römischen Reiches der Union angeschlossen, von Marokko bis Israel. Denn im Grunde, so erklärt die Schrift an der Wand dieser vorwitzigen Ausstellung, sei »Europa ein Bewusstseinszustand, der sich nicht von gewöhnlichen Grenzen beschränken lässt«. Rem Kohlhaas inszenierte Europas Zukunft übrigens in einem kunterbunten Zirkuszelt. Der rechte Ort für einen Salto mortale.

 
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