DIE ZEIT: Herr Zaimoglu, was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als wir Sie zum Gespräch mit Angela Merkel eingeladen haben?

Feridun Zaimoglu: Ich beobachte seit langem, wie Frau Merkel sich eine Schneise durch das Männerdickicht der Politik pflügt, und darum freut es mich, endlich einmal nicht mit einem Mann über diese ewigen Kulturkreis-Themen zu reden. Frau Merkel, Sie haben eine ostdeutsche Herkunft…

Angela Merkel: Das kann man wohl so sagen…

Zaimoglu: …und da musste ich daran denken, was ein Freund von mir erzählte, ein Filmemacher. Die deutsche Einheit, sagte er, das sind so abstrakte Worte. In Wahrheit ging die Mauer auf, und die Ostdeutschen glotzen uns an und wir die Ostdeutschen. Man konnte in ihren Augen lesen: Das soll Westdeutschland sein, das sind ja alles Türken!

Seyran Ates: Mich interessiert, was Sie, Frau Merkel, über uns wissen. Ich bemerke oft bei Deutschen riesige Wissenslücken über unser tatsächliches Leben. Seit ich sechs bin, lebe ich in Deutschland. Ich bin seit Jahren Anwältin und werde immer noch dafür gelobt, dass ich so gutes Deutsch spreche. Das macht mich traurig.

Zaimoglu: Traurig? Das ist doch ein Lob?

Merkel: Und wenn Deutschland gegen die Türkei spielt, zu wem halten Sie?