wahrnehmung Das kommt Chinesen spanisch vorSeite 3/3
Doch nicht alle Resultate von Nisbett und Kühnen lassen sich über das Ausblenden oder Einbeziehen von Kontext-Einflüssen erklären. So scheinen Asiaten etwa auch mit widersprüchlichen Aussagen ganz anders umzugehen als Westler: Nisbett legte seinen Testpersonen zwei wissenschaftliche Studien vor. In Studie A wurde behauptet, dass Menschen, die besonders alt werden, sehr viel Fisch essen. Studie B legte hingegen nahe, es sei besonders gesund, auf den Verzehr von Fisch generell zu verzichten.
Die Chinesen und Amerikaner sollten nun ankreuzen, wie einleuchtend ihnen diese Ergebnisse vorkamen. Wenn sie die Studien einzeln vorgesetzt bekamen, trauten beide Gruppen eher Studie A. Doch wenn sie die zwei Studien gleichzeitig erhielten, zeigten sich Differenzen: Die Amerikaner hielten nun Studie A für noch viel plausibler; die Chinesen hingegen fanden plötzlich beide gleich überzeugend.
Nisbett erklärt auch dieses Phänomen aus der Geschichte: Während die naturwissenschaftlichen Modelle im Griechenland der Antike den Gesetzen der formalen Logik genügen mussten, glaubten bereits die alten Chinesen an die gleichzeitige Gültigkeit paradoxer Aussagen. Wie heißt es doch im Zen-Buddhismus? »Das Gegenteil einer großen Wahrheit ist auch wahr.«
- Datum 30.09.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 30.09.2004 Nr.41
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