Sie wusste, worauf sie sich einlässt. Vor dem Start ihrer Late-Night-Show prophezeite Anke Engelke in einem ZEIT-Interview: Das erste halbe Jahr wird bitter. Da gehe ich in die Selbsthilfegruppe, in der schon Gottschalk, Schmidt, Willemsen sitzen. Was sie nicht wusste: Ihr erstes halbes Jahr dauert nur fünf Monate. Am Dienstag gab Sat.1 bekannt, dass Anke Late Night, Mitte Mai gestartet, am 21. Oktober zum letzten Mal ausgestrahlt wird.

Zeit für die Selbsthilfegruppe? Keineswegs. Anke Engelke hatte nie eine Chance - weil sie nicht Harald Schmidt war. Die Feuilletons wollten Schmidt, das an Schmidt gewöhnte Publikum wollte Schmidt. Was das Verhängnisvollste war: Auch ihr Sender wollte sie in eine Frau Schmidt verwandeln. Ihr Vorgänger hat bei uns Late Night geprägt: zynisch, gebildet, lustig, distanziert. Schmidt siezt, Engelke duzt, schon im Titel Anke Late Night. Sie stellt Nähe her, imitiert durch Beobachtung. So wurde sie zur besten Unterhalterin des Landes, die sie auch bleibt. Sie hatte nicht genug Zeit, sich von ihrem Vorgänger zu lösen.

Schmidt, anfangs eine David-Letterman-Kopie, bekam sie. Als im angeblich so schnelllebigen Amerika der junge Conan O'Brien eine Late-Show erhielt, verlachte ihn die Kritik, die Zuschauer zappten weg. Man hielt durch, O'Brien wurde aus lauter Verzweiflung lustig, die Sendung ein Erfolg. Nun gab NBC bekannt, dass er die wichtigste US-Late-Show bekommt - im Jahr 2009. Sat.1 wiederholt auf Engelkes Sendeplatz die Serie HeliCops. Deutschland hat vielleicht keine Leit-Kultur. Eine Late-Kultur hat es leider auch nicht.