Alles Jammern von Stoiber, alle Gesundbeterei von Angela Merkel helfen nichts: Für den Gang an die Börse ist die CDU einfach noch nicht reif. Die Banken haben es mit wünschenswerter Deutlichkeit formuliert: Zu vielfältig sind die Geschäftsfelder, zu widersprüchlich die Marktstrategien, zu unklar die Kundenprofile. Will die CDU das Premiumsegment entwickeln oder die Massenkundschaft bei Laune halten? Beides auf einmal zu tun mag für eine mitgliederfinanzierte Volkspartei angehen, nicht aber für ein börsennotiertes Unternehmen. Vor allem aber: Die Vertriebspartnerschaft mit der CSU ist auch nach Jahrzehnten zu keiner echten Fusion mit Synergie-Effekten vorangeschritten. Die Firmenkulturen passen nicht zueinander, das Management bekriegt sich in aller Öffentlichkeit. Eher wird die Deutsche Bahn an die Börse gehen als die christlich-demokratische Partei.

Das ist umso bitterer, als die römische Konkurrenz, die christlich-katholische Kirche, ihre Hausaufgaben vorbildlich gemacht hat. Spätestens mit der Heiligsprechung von Pius IX. hat sie ihr Kundenprofil geschärft und allen ökumenischen Fusionsspekulationen eine klare Absage erteilt. Selbst die desaströse Finanzlage einiger ausländischer Tochterunternehmen (wie die Bistümer von Aachen oder Berlin) hat der Kreditwürdigkeit des Gesamtkonzerns nicht geschadet. Die Banken haben das Rating sogar noch einmal deutlich verbessert, nachdem der Vatikan den letzten österreischischen Kaiser selig gesprochen hat. Die Bedeutung Karls I. im Investmentbereich ist zwar umstritten, aber gewürdigt wurde die geniale Marketingstrategie des Vatikans, die sich wieder einmal angesichts bröckelnder Kundenbindung bewährte.

In Österreich drohten nämlich Marktanteile verloren zu gehen, nachdem Korruptionsfälle in St. Pölten die Disziplinierung beliebter Außendienstmitarbeiter (wie Bischof Krenn) nötig machten. Mit der Seligsprechung Karls I. konnte der konservative Kundenstamm für die Marke zurückgewonnen werden, während gleichzeitig die umstrittene Gewährung pädophiler Sonderrabatte deutlich eingeschränkt wurde. Auch hier hat die katholische Kirche vorgemacht, was die CDU erst lernen muss: Mit Werbegeschenken allein gewinnt man keine verlässlichen Mitglieder. Selbst mit Bargeld, wie es die CSU in München versucht hat, erzeugt man höchstens Mitnahmeffekte, die auf Dauer dem Ansehen der Marke empfindlich schaden.

Finis