Kostbare Gläser, edle Weine und Betrachtungen zur Geschichte der europäischen Trinkkultur - das alles bieten die ersten Heilbronner Glas- und Weintage unter dem Titel Vitrum et Vinum (13. bis 16. Oktober). Neben Versteigerungen des Auktionshauses Fischer im Trappensee-Schlösschen und auf dem Staatsweingut Weinsberg gibt es eine begleitende Reihe kultureller Veranstaltungen. So werden etwa drei Tage lang 60 so genannte Zwischengoldgläser aus drei Jahrhunderten ausgestellt. Für die Kollektion der doppelwandigen und goldleuchtend dekorierten Gläser hat das Auktionshaus Fischer einen Katalog erstellt (sodass die Kostbarkeiten wohl auch zum Kauf angeboten werden).

In der kommenden Versteigerung wird ein böhmischer Deckelpokal um 1720/30 mit zwei Zwischenglasgoldmedaillons mit einem Taubenpaar (1800 Euro) aufgerufen sowie ein Pokal in der gleichen Technik mit ausgeschnittener Goldfolie zwischen zwei ineinander gefügten Gläsern. Dieser trägt das den Prager Domherren zugeschriebene Wappen und stammt aus Nordböhmen um 1730 (2300 Euro).

Der Lübecker Professor Christian Jentsch referiert zum Auftakt der Auktion von insgesamt 165 Positionen auf dem staatlichen Gut Weinsberg über den kulturgeschichtlichen Hintergrund und hält einen Vortrag über die Entwicklung Vom Gemeinschaftsglas zum modernen Gläsersatz. Bereits Montaigne forderte Ende des 16. Jahrhunderts für jeden Tafelnden ein eigenes Glas bei Tisch.

Aber noch zu Beginn des 18. Jahrhunderts war es verbreitet, auch bei Banketten die Trinkgläser nur herumzureichen, sagt Jentsch. Als individuelle Gläser bei Tisch eingeführt wurden, richtete sich die Größe zunächst nicht nach dem Inhalt, sondern nach dem sozialen Rang des Benutzers. Jentsch erzählt: Hausherr und Ehrengast erhielten die größten, für die Frauen blieben nur die kleinsten Gläser.

Als besonderes Prachtstück findet sich im Katalog zur 148. Fischer-Auktion das Trinkgefäß des Johann Georg Herzog zu Sachsen, Jülich, Cleve und Berg: der sächsische Hofkellerei-Humpen aus der Glashütte Jugel, verziert mit dem großen sächsischen Wappen mit der Jahreszahl 1638 in schönster Gold- und polychromer Emailmalerei (18 000 Euro).

Unter den 1168 Positionen fällt im Bereich des alten Glases ein geradezu modern anmutendes venezianisches Stangenglas mit weißen Fäden aus dem 16.

Jahrhundert auf (12 000 Euro). Auffällig dekoriert ist auch eine große Flöte mit Diamantrissdekor, vermutlich von Willem Mooleyser, Rotterdam, aus dem letzten Drittel des 17. Jahrhunderts. Auf dem leicht rauchfarbenen Glas der schlanken, hohen Flöte ist zwischen umlaufenden Weinranken mit Trauben und Vogeldarstellungen die Rückkehr eines Edelmannes zu Pferde mit zwei Treibern und Hunden von einer erfolgreichen Hasenjagd in baumbestandener Landschaft fein ziseliert (18 000 Euro).