Der Roman besteht aus den Selbstzeugnissen der einstigen Helden, ungefiltert und ungeschönt dargeboten als Bewusstseinsströme, in denen sich Ressentiment und Bitterkeit, Nostalgie und Trotz, Selbstzufriedenheit und weise Einsicht auf höchst individuelle Weise mischen.

Lebensläufe mit einer ausgeprägten Neigung zum Archetypischen

Die Lebensläufe dieser Männer und Frauen sind, wie es sich für einen Roman mit zeitgeschichtlichem Gültigkeitsanspruch gehört, einigermaßen repräsentativ, mit Neigung zum Archetypischen: der Anwalt Taboada, der damals Studenten verteidigte, heute zum politischen Establishment gehört und eine sehr viel jüngere Frau geheiratet hat; die geschiedene Amalia, die mit ihrem Ehemann auch die Karrierechancen verlor und sich mit Mühe im psychischen Gleichgewicht hält; der aidskranke Künstler Demetrio, der seiner Jugend in Kunst, Armut und Exzessen treu blieb und nun seinen Freund zu Tode pflegt; Pedrito, eines der beiden konkurrierenden Alphamännchen der Zelle, Chefideologe und begeisterter Baudelaire-Leser, inzwischen erfolgreicher Bauunternehmer, der der unerreichbaren Geliebten Elisa noch immer nachtrauert und sich durch Geld, Sex und Arbeit lebendig zu fühlen bemüht. Ihn, den vulgären Baulöwen, zeichnet Chirbes als erstaunlich zartfühlend, als einen, dem die alten Zeiten noch immer Maßstab der Erfüllung sind.

Guzmán, das Alphamännchen Nummer zwei, inzwischen Chef einer Produktionsfirma und mit einer profitablen Ehe gesegnet, bringt seine politisch wohlgeratenen und gut im Fleisch stehenden Söhne mit – was dem Autor Gelegenheit gibt, der jungen Attac-Generation mit ihrem risikolosen politischen Sentimentalismus den ein und anderen Seitenhieb zu verpassen.

Allein die Tischgespräche, von Chirbes mit hinreißender Beobachtungsgabe und nur leicht satirischem Realismus wiedergegeben, wären die Lektüre dieses Romans wert und verraten den literarischen Lehrmeister Max Aub.

"…Die letzten Visionäre", sagt Taboada, "der Kommunismus war die letzte große Abdrift des Christentums… Künftige Geschichtsbücher werden diese Abweichung behandeln, ihr ein paar Absätze widmen." "Eine Häresie, die zwei Milliarden Menschen betroffen hat … und fünf Jahre haben genügt, sie aus dem Gedächtnis der Menschheit zu tilgen", sagt Guzmán.

Carlos schließlich, der einst unzuverlässige Genosse, Schriftsteller und gescheiterter Ehemann und Vater, zieht aus seinem Leben und ihrer aller gemeinsamen Geschichte zumindest literarischen Gewinn: Er schreibt einen Roman über Elisa, die Ästhetin der Gruppe mit einem Hang zur Morbidität des Barock, die jung an Krebs starb – eine ewig schöne Tote, in deren Bild die vergangene Zeit konserviert bleibt. Sich selbst beschreibt Carlos in autobiografisch vorsichtiger Distanz als einen, der sich "an all jene Jahre erinnert, die er, als er sie durchlebte, nicht als glücklich erkannt hatte".