Arabische Kinderliteratur Schön, aber zu arabisch?Seite 2/2

Bisher existieren leider nur eine Hand voll Übersetzungen arabischer Kinderbücher ins Deutsche, so etwa beim verdienstvollen Kinderbuchfonds Baobab, der jetzt im Atlantis Verlag zu Hause ist. Dort erschienen von Tarik Bary die fantasievolle Internatsgeschichte Der König der Dinge sowie Kater Ziku lebt gefährlich von Emily Nasrallah, jetzt in einer Neuauflage veröffentlicht. Kater Ziku schildert die Schrecken des libanesischen Bürgerkrieges aus der Perspektive eines Katers.

Leider werden der schlichte, bunte Umschlag wie der unpassende Titel dem aufwühlenden Text nicht gerecht. Zwar empfiehlt der Verlag das Buch auch für Kinder, ich würde es lieber in der Hand von Jugendlichen und Erwachsenen wissen. Bei Baobab erschien auch 2002 Das Notizbuch des Zeichners, das für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert war (ZEIT Nr. 49/02). Der bedeutende ägyptische Illustrator Mohieddin Ellabbad erzählt in dem zweisprachigen Buch auf sehr persönliche Weise von seinem Leben und seiner Kunst, collagiert Fotografien, Schrift und Bilder zu einem bunten Teppich der Erinnerungen.

Der Verlag Edition Orient in Berlin präsentiert ein Programm mit zweisprachigen arabisch-deutschen Kinderbüchern von namhaften Autoren aus Ägypten, Bahrain und Syrien und bekannten Illustratoren aus Ägypten und dem Jemen. Dort erscheint von Walid Taher Mein neuer Freund, der Mond . Die modern illustrierte Geschichte handelt von einem kleinen Jungen, der abends mit dem Fahrrad allein nach Hause fährt und sich sehr darüber freut, dass er vom Mond scheinbar auf seinem Weg begleitet wird.

Leider haben Verlage und Buchhandlungen bezüglich arabischer Büchern oft Vorbehalte. So bekomme ich entweder zu hören: »Das Buch ist sehr schön, wirkt aber zu fremd«, oder es hieß sogar: »Das Buch ist zu arabisch.« Sollten statt fremder, allzu arabischer Bücher lieber vertraute, un-arabische Werke aus dem Arabischen übersetzt werden? Glücklicherweise sind bei Kindern solche Scheuklappen gegenüber neuen Seh- und Leseerfahrungen selten zu finden, wie Lesungen in Schulen und Kindergärten zeigen. Und sollte der erste Schritt auch über etwas sehr Äußerliches führen: das Interesse an der schönen arabischen Schrift.

 
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