Immerhin, einen Präsidenten hat er schon gemacht. Und selbst wenn diese Geschichte, wie Jimmy Carter sie erzählt, etwas ausgeschmückt sein sollte und bald dreißig Jahre zurückliegt, so klingt sie doch glaubwürdig und aktuell. Der 80-jährige Veteran der Demokratischen Partei, als deren Kandidat Carter 1976 die Wahl gegen Gerald Ford gewonnen hatte, sagte neulich in einem Kreis von Freunden – man traf sich in einem entlegenen Berghaus im US-Bundesstaat Utah –, er sei dem Gastgeber, dem Filmschauspieler Robert Redford, seit langem in tiefer Dankbarkeit verbunden. Denn: "Wahrscheinlich war ich Präsident dank Bob Redford." Und deshalb gelte: "Was immer ich getan habe als Präsident, Gutes oder Schlechtes, geht zum Teil auf Bob Redford zurück." Worauf alle artig lachten und der so in die Mitverantwortung genommene Hausherr gleich eine gute Tat Carters hervorhob, nämlich dessen Gesetze zum Schutz der Umwelt, vor allem der unberührten Natur, ob in Alaska oder in den Bergen Utahs und Nevadas. Diese Gegenden sind gegenwärtig das strategische Hauptangriffsziel des George W. Bush – in seinem Kampf gegen die Naturschutzgebiete im amerikanischen Westen.

Was Redford als Präsidentenmacher getan hat, ist schnell erzählt: Damals auf dem Höhepunkt seines Ruhms – nach den Erfolgsfilmen Butch Cassidy and Sundance Kid (Zwei Banditen), The Candidate (Der Kandidat), The Sting (Der Clou) und dem lange verkannten Meisterwerk Jeremiah Johnson – hatte er begonnen, sich politisch zu engagieren. Unter anderem kaufte er schon sehr früh die Filmrechte für das Watergate-Buch der Washington Post -Reporter Robert Woodward und Carl Bernstein (und beriet sie dramaturgisch, während sie noch schrieben), weil ihn die Zusammenhänge von Macht, Missbrauch und Medien faszinierten. Der Film, den er selbst produzierte und in dem er, neben Dustin Hoffman, eine der beiden Hauptrollen (Woodward) spielte, kam noch im Wahljahr 1976 heraus. Jimmy Carter wollte er bei der Vorbereitung auf die TV-Debatten mit Ford helfen. "Er kam nach Georgia", erinnert sich der damalige Kandidat, "mit einem 16-Millimeter-Film über die Kennedy-Nixon-Debatten, und wir saßen in unserem Wohnzimmer und spielten die Debatten immer wieder." Und Redford übte mit dem Erdnussmillionär am Paradebeispiel jener Konfrontationen, die 1960 den Ausschlag für den Sieg Kennedys über den amtierenden Vizepräsidenten Nixon gegeben hatten, wie man’s macht und was man keinesfalls machen darf. Lektionen, die sich lohnen sollten.

Der Mann vom Film, seit 1981 auch Oscar-Preisträger (als Regisseur für Ordinary People), hat sich fortan häufiger in die Politik eingemischt. Zum Beispiel 1988 für den Demokraten Michael Dukakis, der dann gegen Bush senior verlor. Auch Al Gore hat er unterstützt, der gegen Bush junior zwar die meisten Stimmen gewann, aber kurz darauf dieselbe Wahl vor Gericht im Streit um die Stimmen von Florida verlor. Als TV-Coach war Redford auf der Bundesbühne zwar nicht mehr im Einsatz, wohl aber als Helfer beim Einsammeln von Wahlkampfspenden. Finanziell sind die Spitzen der kalifornischen Filmindustrie für die Demokraten so wichtig wie die Bosse der Energiewirtschaft für die Republikaner. Mindestens ebenso bedeutsam sind Redfords Auftritte zu politischen Themen. Dabei geht es vor allem um eines: Umwelt. Denn politisch ist Robert Redford ein Grüner. Engagiert, kämpferisch, zornig, durchaus mit einem Schuss Fundamentalismus. Er hilft, wo immer er einen Gesinnungsfreund am Werk sieht, egal, welcher Partei er oder sie angehört, wenn diese sich nur für saubere Luft und reines Wasser, für Erhaltung der Landschaft und neue Wege der Energieerzeugung einsetzen, für Sonne, Wind oder Erdwärme interessieren und gegen Schürfrechte für traditionelle Energieproduzenten in den Naturparks des Westens aufstehen. Sie alle haben gute Chancen, dass der Star sich aus seiner Bergeinsamkeit in Utah auf den Weg zu ihnen macht, ein paar hundert Aktivisten Mut zuspricht gegen die da oben mit dem großen Einfluss und dem vielen Geld, und dass er für die lokalen Medien eine Pressekonferenz gibt, ehe er weiterzieht zum nächsten Termin.

Veränderung kommt von unten, predigt Redford. Nicht aus Washington. "Die dort ändern sich nicht." Und diesen Prozess will er befördern, dafür arbeitet er an der Basis, auf der Mikroebene, etwa, wenn er in San Francisco eine Kampagne zur öffentlichen Förderung von Sonnenenergie mit Geldspenden und publizistisch unterstützt. Aber er hilft auch dort, wo es um größere Zusammenhänge geht, auch um viel Geld. So fördert das von ihm begründete TV-Unternehmen Sundance Channel das Projekt zweier bekannter Filmemacher, die über das Anti-Bush-Abschlusskonzert (Vote for Change) prominenter Rocksänger (Bruce Springsteen, Sheryl Crow) und Rockbands (R.E.M.) einen Film machen wollen. Redfords Kanal wird dieses Megakonzert aus Washington am 11.Oktober in einem fünfstündigen Special ausstrahlen – unter dem Strich sicher kein großes finanzielles Risiko. Denn damit kein Missverständnis aufkommt: Redfords Unternehmen im Umfeld des Sundance Institute zur Förderung unabhängiger Filmemacher sind zwar nicht auf Profit angelegt, das Festival braucht sogar Sponsoren (kann dabei heutzutage allerdings aus dem Vollen schöpfen und Bedingungen stellen). Das Institut ist aber auch kein Wohltätigkeitsverein. Der Kauf der Rechte an dem Anti-Bush-Konzert sei daher auch keine politische Aktion, versichert eine Sprecherin von Sundance Channel. Die Förderung gelte den beiden unabhängigen Filmemachern, sagte sie in einem Interview. Der Rest, ganz klar, ist Business.

Sei’s drum, Bob Redford kämpft jedenfalls auf allen Ebenen für einen Wechsel in Washington. Er wettert auf sämtlichen Kanälen gegen Bush und Cheney, die er für eine akute Bedrohung für das Wohl des amerikanischen Volkes hält. Naturzerstörer, bezahlt von Ölprospektoren und Holzverarbeitern. Und als er neulich bei einem Auftritt in Las Vegas gegen den Plan Washingtons stritt, in Nevada ein Atommülllager zu errichten, bekam er auch von Republikanern Unterstützung. Eine ihrer Sprecherinnen sagte einer lokalen Zeitung nach dem Auftritt von Redford, mit seiner Kritik an Bush habe der Schauspieler "absolut Recht". Und wählte ein Bild aus dem täglichen Leben: "Unsere Partei hat eigentlich eine lange und stolze Geschichte von Bewahrung und Schutz der Umwelt, die derzeit durchs Klo weggespült wird."

Was aber nicht nur in Las Vegas den Zuhörern auffiel: Wie sehr auch der Star gegen die Mächtigen in Washington vom Leder zieht, Bushs Gegenkandidaten erwähnt er nicht. Die Ein-Mann-Kampagne des Robert Redford ist keine direkte Aktion zur Unterstützung des Demokraten John Kerry. Natürlich würde der Herausforderer davon profitieren, wenn Redfords grüner Kreuzzug die "Helfer der Ölkonzerne, Reaktorbetreiber, Chemiegiganten und Papierhersteller" in Washington tatsächlich Stimmen kostet.

Aber er ist nicht Redfords Mann, und die Demokraten sind nicht Redfords Partei. Mag sein, dass sie jetzt, seit sie und ihr Kandidat etwas kämpferischer auftreten, den Naturburschen wieder besser erreichen. Aber insgesamt sind die Democrats ihm seit langem zu kleinlaut, zu lau. "Wenn sie dieselben Fehler wie beim letzten Mal machen", hat er vor der heißen Wahlkampfphase gesagt, "dann verdienen sie ihre Existenz gar nicht mehr." Dann werde es eben eine unabhängige Partei geben, "wie bei Teddy Roosevelt". Das würde ja auch irgendwie Sinn ergeben. Aber wünschen tut er sich das nicht. Er möchte den Wechsel in Washington. Jetzt!

Denn inzwischen sieht Robert Redford nicht nur die Umwelt gefährdet durch die Bush-Regierung, sondern auch die amerikanische Idee von Freiheit und Demokratie. "Wenn wir nur dasitzen und zuschauen", sagt er, "dann wird eines Tages jemand die Verfassung ändern. Und als nächstes haben wir auf einmal wieder schwarze Listen" – womit er an die McCarthy-Zeit mit ihrer Jagd auf politische Dissidenten in den fünfziger Jahren anspielt – "dahin führt es, wenn wir nicht aufpassen". Also passt er auf. Und wirbt dafür, nicht nur tatenlos zuzuschauen.