Recht milde.

Über rechtsradikale Gewalttaten in Ostdeutschland wird zurzeit wenig berichtet. Was nicht heißt, dass es sie nicht mehr gibt: Diese Woche verhandelt das Amtsgericht Halberstadt gegen zwei junge Rechtsextreme, die im April einen Punk überfallen hatten. Sie fuhren ihn mit dem Auto um, stiegen aus, schlugen mit Eisenstangen auf den Kopf des Opfers ein, bis es sich nicht mehr bewegte. Sieg heil!, riefen sie dabei nach Zeugenaussagen. Die Staatsanwaltschaft hat Klage erhoben - wegen gefährlicher Körperverletzung.

Versuchter Totschlag liege nicht vor, so die Ankläger, weil die Schläger als medizinische Laien nicht hätten erkennen können, dass Hiebe mit Eisenstangen lebensbedrohlich sein könnten. Die Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt in Halle/Saale wirft den Halberstädter Staatsanwälten vor, sich nicht zum ersten Mal milde gegen Rechtsextremisten zu zeigen. Was der Sprecher der Staatsanwaltschaft zurückweist. Die vorbestraften Schläger nennt er Jungchen. Jedenfalls, versucht er zu beruhigen, seien sie keine Rechtsextremisten, denn sie hätten ja nichts getan, was uns um die Verfassung fürchten lassen müsste. Die Tat nicht, aber vielleicht der Umgang damit?

Recht spröde.

In London sind die Puritaner auf dem Vormarsch. Auch die Raucher werden das bald spüren. Dem Roten Ken, Bürgermeister Livingstone, seit den achtziger Jahren energischer Advokat jeglicher Version politischer Korrektheit, gefällt das irische Rauchverbot. Hollywoodstar Kevin Spacey, gerade zum Chef des prestigeträchtigen Theaters Old Vic gekürt, haut in dieselbe Kerbe. Seine erste Inszenierung entpuppt sich zwar als Flop, was ihn aber nicht entmutigt, die Theaterbesucher anzuraunzen, während des Schauspiels gefälligst keine Süßigkeiten zu vertilgen. Derweil erlassen Londoner Galerien für ihre Vernissagen eine rigide Etikette: Out sind Wangenkuss und Handy. Quatscht nicht, schaut gefälligst die Bilder an. Der Aufstand dagegen dürfte nicht lange auf sich warten lassen.

Ausgezeichnet.

Vor einem Jahr wollte die ZEIT im Rahmen einer Verkostung und anschließendem Diner herausfinden, ob Weine, die eine Jury besonders hoch bewertet, auch während des Essens die größten Sympathien genießen. Die Resultate überraschten: Mancher Tropfen, in der Blindverkostung noch geschmäht, drehte beim Essen richtig auf und wurde von der Jury in weitaus größeren Mengen weggeputzt als die Punktesieger der Blindverkostung. Cornelius und Fabian Lange, die Organisatoren dieser ungewöhnlichen Probe, sind nun für ihren damals im ZEIT-Wein-Spezial erschienen Beitrag Verkostung mit Zollstock (Nr. 40/03) ausgezeichnet worden. Sie erhielten beim Prix du Champagne Lanson 2004, dem deutschen Wettbewerb für Weinjournalisten, den Sonderpreis der Jury für besondere Kreativität und Originalität.