Das Kino liebt den Spieler, weil er große Dramen auf kleinstem Raum zusammenbringt: Sieg oder Niederlage. Alles oder nichts. Owning Mahowny von Richard Kwietniowski begibt sich hinein in diesen Sog aus Größenwahn und Ohnmacht. Der Film erzählt die wahre Geschichte eines kanadischen Bankangestellten, der seinen Arbeitgeber mit gefälschten Überweisungen um Millionen Dollar erleichterte und das Geld im Casino verjubelte. Der großartige Schauspieler Philip Seymour Hoffman verleiht ihm eine Aura zwischen Tristesse und Abgründigkeit. Im Alltag fährt Dan Mahowny ein einfaches Auto, trägt billige Anzüge und eine abgeschabte Aktentasche - am Wochenende wird der pummelige Kleinbürger von den Casinochefs wie ein König in Empfang genommen. Man steckt ihn in eine Luxus-Suite, besorgt ihm einen Diener, schickt ihm Prostituierte aufs Zimmer und versucht, seine Laster zu ergründen. Dabei will Dan Mahowny einfach nur spielen. Punktum. Da er das Geld mit einigen Tricks aus dem Kreditwesen in die halbseidene Ökonomie des Verprassens schaufeln muss, zeigt ihn der Film als Wanderer zwischen Bank und Spielbank, Welten, die sich gar nicht so fremd sind. Hier wie dort geht es um die Zirkulation des Geldes, behandelt man gewinnträchtige Großkunden mit hinterlistigem Respekt. Hier wie dort hilft ein Pokerface, um als Sieger vom Tisch zu gehen. Hinter den dicken Brillengläsern seines Helden versucht Kwietniowski die Sucht erst gar nicht ergründen. Umso genauer beobachtet er ihre Folgen. Das Getrieben- und Ausgeliefertsein. Die Lüge, die Verstrickung und den Tunnelblick. Auch mit seiner Ästhetik gelingt es dem Film, den Zwangscharakter eines Lebens zu treffen: Ausgewaschene Farben, das fahle Casino-Licht, angeschnittene Einstellungen erzählen vom Eingesperrtsein in der Sucht. Fast ausschließlich spielt Owning Mahowny in Innenräumen, bei den wenigen Außenaufnahmen verweigert er sich dem Horizont. Gemeinsam mit Mahowny gleiten wir in die Abwärtsspirale, in den Sog der Würfel und der silbernen Roulettekugel, irritiert und fasziniert von einem Mann, der sich starren Blickes dem Zufall in den Rachen wirft. Um Geld zu verlieren, muss man welches haben, heißt es in Dostojewskijs Roman Der Spieler. Wie alle echten Spieler gewinnt auch Kwietniowskis Protagonist nur, um weiter zu verlieren.

Doch das eigentliche Ereignis - der Verlust am Spieltisch - ist nie zu sehen.

Stattdessen folgt man einem Helden, der sich immer wieder für den nächsten Schritt in den Abgrund sammelt. Auf der Toilette, im Waschraum, im Auto. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Auch hier.