Einfach nur SchachSeite 5/5

Deshalb steht als Sieger der Schachweltmeisterschaft in Brissago schon vor ihrem Ende fest: der Manager der Kontrahenten. »Das ist mein Problem«, kokettiert Hensel, »wenn einer verliert, kann ich mich nicht freuen, da kann ich keine Party feiern.« Das Schwierige der Konstellation ist ihm klar. »Wenn ich Leko und Kasparow unter Vertrag hätte«, sagt Hensel, »würde das alles nicht gehen.«

Machen Kramnik, Hensel, Leko hier eine private Kuschelmeisterschaft? Dieser Eindruck wäre falsch. Das Match in Brissago wird organisiert und überwacht von Joel Lautier, Präsident der ACP, die mit Kasparows untergegangener PCA nur die Buchstaben gemein hat.

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Die Association of Chess Professionals, vor einem Jahr gegründet, ist eine Gewerkschaft der Schachprofis, 250 Mitglieder zählt sie mittlerweile, unter ihnen 70 der 100 besten Spieler. Sie wollen die Weltschachföderation zur Vernunft bringen. Denn nicht nur Kasparow hat dem Schach geschadet, auch die Fide. Ihr Vorsitzender Kirsan Iljumschinow, zugleich Präsident der russischen Teilrepublik Kalmückien, hat die Spielbedingungen selbstherrlich verschlechtert und für fragwürdige Turniere viel Geld unklarer Herkunft eingesetzt. Widerstand auf breiter Front regt sich freilich erst, seit der Freund Saddam Husseins knapp bei Kasse ist.

Ein Ziel der ACP ist die Wiedervereinigung der Schachwelt, das heißt: nur noch ein Weltmeister für alle. Um ihn zu ermitteln, soll der Sieger von Brissago gegen den Sieger eines Zweikampfes zwischen Fide-Weltmeister Kasimdschanow und Exweltmeister Kasparow antreten.

Kasparow? Wieso Kasparow? Der hatte sich doch vom Weltschachverband abgewandt! Richtig, aber nachdem ihm alle Felle davongeschwommen waren, hat er sich der Fide wieder angedient um den Preis, dass die ihren Weltmeister aufs Neue gegen ihn antreten lässt. Schach ist bisweilen ein ziemlich abgekartetes Spiel.

Kramnik gewann übrigens gleich die erste Runde gegen Leko, mit Schwarz! Er hatte dem Herausforderer einen kleinen Stellungsvorteil eingeräumt. Der wollte da natürlich kein Remis und vergaloppierte sich prompt beim Gewinnversuch. Eine Partie von großer Delikatesse. In der fünften Runde revanchierte sich Leko mit präzisem Druckspiel über Stunden. Dann eine hübsche Kombination, Kramnik irrte mit dem Läufer umher – und aus. Schach ist immer noch auch ein ziemlich schönes Spiel.

* Bei Redaktionsschluss stand es 3:3

 
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