Die großflächigen Reklametafeln an den Ausfallstraßen Moskaus fordern gewöhnlich mit eleganten Männern und schönen Frauen zum Konsum von Autos, Einbauküchen oder Edelschnäpsen auf. Jetzt blickt von vielen dieser Tafeln ein blonder junger Mann in der Uniformbluse des Zweiten Weltkriegs ernst und konzentriert die Moskauer an, hinter ihm Soldaten in Reih und Glied, darüber in großen Buchstaben: SCHTRAFBAT - Strafbataillon.

Mit diesem ungewöhnlichen Aufwand wird für eine elfteilige Fernsehserie (Regie: Nikolaj Dostal) des Senders Rossija, des zweiten staatlichen Kanals, geworben, die am 20. September gestartet wurde und ein großer Publikumserfolg zu werden verspricht. In allen Städten priesen die Händler noch vor dem Start die ganze Serie als DVD oder VHS-Kassette an. Schon dieses Jahr ist die große Erinnerungsmaschine für den Sieg über Hitlerdeutschland angelaufen, der im kommenden Jahr 60 Jahre zurückliegt, und die Serie ist keineswegs die einzige Fernsehproduktion des Herbstes zum Krieg. In der russischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, die von den Schrecken des Bürgerkriegs, der Kollektivierung, der Säuberungen und des Gulags, schließlich von dem deprimierenden Niedergang der kommunistischen Herrschaft geprägt wird, bildet die Erinnerung an den unter unsäglichen Opfern errungenen Sieg über den faschistischen Eroberer den einzigen hellen Punkt. Im historischen Bewusstsein der heutigen Russen steht diese kollektive Leistung quer durch die Generationen an erster Stelle.

Der Staat fördert das Gedenken auf der Suche nach integrierenden Momenten eines postsowjetischen Selbstbewusstseins, wobei die Betonung historischer Stärke im Krieg noch heute dazu tendiert, Täter der stalinistischen Herrschaft und ihre Opfer unter dem Banner der Vaterlandsverteidigung zu vereinen. In der Regel wurde auch von den populären postsowjetischen Kriegsdarstellungen die andauernde stalinistische Repression ausgeblendet, um auf den Triumph der Helden und Sieger keinen Schatten zu werfen.

Helden, die tapfer den deutschen Eindringling angreifen und ihr Leben jederzeit für das Vaterland einsetzen, gibt es auch in diesem Film in genügender Zahl. Auch folgt die Serie trotz vorzüglicher Schauspieler, einer eindrucksvollen Kamera und in vielen Details glaubwürdigen Szenen den ästhetischen Gesetzen des populären Kriegsfilms. Explosion und Kriegstod werden in Zeitlupe weichgezeichnet, die deutschen Feinde, die Fritzen, sind in der Regel trottelig und verlieren regelmäßig die Kampfhandlungen. Es gibt auch ein paar Liebesepisoden, die das düstere Thema aufhellen müssen. Die Schwächen dieser Serie sind die Schwächen der meisten populären Kriegsfilme, in Russland ebenso wie anderswo.

Die Strafniki waren die Schmuddelkinder des Sieges

Aber all das macht nicht den Film aus. Bereits das Thema, die Strafeinheiten der Roten Armee, ist für die russische Geschichtserinnerung ein außerordentlicher Tabubruch. Über Strafniki, die Soldaten der Strafeinheiten, sang in den siebziger Jahren der geduldete Außenseiter Wyssotzki, dessen Verse nur auf Schreibmaschinendurchschlägen verbreitet werden konnten. Anfang der neunziger Jahre gab es im Gefolge der Glasnost einen Dokumentarfilm über die Strafeinheiten - aber das war alles. Bis heute existiert keine umfassende militärhistorische Untersuchung des Themas. Dabei waren die Strafeinheiten alles andere als marginal in den sowjetischen Streitkräften. Mehrere hunderttausend Männer - Kriminelle, politische Gefangene, aufsässige Soldaten - sind in Strafeinheiten als erste Angriffswelle auf gut befestigte deutsche Stellungen oder durch Minenfelder geschickt worden, um unter enormen Verlusten den folgenden Einheiten den Durchbruch zu ermöglichen. Die Verluste dabei werden auf etwa 80 Prozent geschätzt. Strafsoldaten, die zurückwichen, wurden von den nachrückenden Sperrverbänden des NKWD zusammengeschossen.

In Schtrafbat stehen diese Schmuddelkinder des Sieges im Mittelpunkt, an erster Stelle der Major Twerdochlebow, der als Offizier regulärer Einheiten in Gefangenschaft gerät und sich schwer verwundet zu den eigenen Truppen durchschlägt - wo ihm der Vernehmungsoffizier unter der Folter ein Geständnis der Kollaboration abzupressen versucht, denn nach dem berüchtigten Befehl 270 vom 16. August 1941 war jeder sowjetische Kriegsgefangene ein Vaterlandsverräter. So wird der Held der Serie zum Kommandeur eines Strafbataillons, und der Zuschauer begleitet seine Entwicklung vom gläubigen Kommunisten zum desillusionierten Verzweifelten. Zu dieser Entwicklung gehört auch die nochmalige Inhaftierung durch den NKWD und der erneute Versuch, ihm durch Folter ein Geständnis erfundener Verbrechen abzupressen.