Flughafen-Terminals sind die Boxenstopps des zeitgenössischen Nomadentums. Riesige Wartesäle, die das Kino schon immer gerne mit Schicksalschlägen, Romanzen oder langwierigen Nervenzusammenbrüchen aufzuheizen wusste. Im Transit zwischen den Systemen, zwischen Arbeits- und Urlaubsreisen, zwischen Fast-Food-Ketten, Edelboutiquen und Erster-Klasse-Lounge eilen die Geschichten der hier Aufeinandertreffenden wie von selbst ihren dramatischen Zuspitzungen entgegen.

In Steven Spielbergs Film The Terminal verliert der Osteuropäer Viktor Navorski, den Tom Hanks durchweg als tapsigen Dickhäuter spielt, über Nacht seine Staatsangehörigkeit und damit jede Möglichkeit, den New Yorker JFK-Flughafen zu verlassen und die USA legal zu betreten. Seine Heimat, der fiktive Kleinstaat Krakozia, hat während Navorskis Flugzeit im Bürgerkrieg seine Souveränität eingebüßt. "America is closed" – Victor Navorski darf sich nur von außen an seinen Schaufenstern die Nase platt drücken und auf eine günstigere Weltenordnung hoffen. The Terminal ist entfernt dem Schicksal des Iraners Merhan Nasseri nachempfunden, der seit 16 Jahren auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle campiert. Dem Warten selbst kann Spielberg jedoch keine inszenatorische Herausforderung abgewinnen. Ihn interessiert der Zustand weder als condition humaine noch als kafkaeske Zermürbung. So hält er seinen Robinson Crusoe in einer schon manischen Geschäftigkeit. Tatsächlich macht Navorski den "Eingeborenen", die natürlich selbst nichts anderes sind als mehr oder weniger legale Einwanderer, vor, wie der amerikanische Traum zu funktionieren hat. Nachdem Tom Hanks sein Territorium, ähnlich wie in dem Schiffbruchfilm Cast Away, erkundet und sein Nest hergerichtet hat, nachdem er aus demontierten Stuhlreihen ein Ruhelager gebastelt und seine ersten Cents für einen Cheeseburger als Gepäckwagen-Einsammler verdient hat, steigt er rasch auf als fleißiger Handwerker, der sich auch bei Winziglohn nicht scheut, stets das Beste zu geben. Sein freundlicher Fatalismus, gepaart mit Fleiß und Willensstärke, machen ihn zu jenem Siegertypus, den schon Forrest Gump verkörperte, als er sich an die Spitze kapitalistischen Erfolgs lächelte und dabei dank karitativer Hobbys ein guter Junge blieb. Navorskis Mischung aus untrüglichem Überlebensinstinkt, gut getarnter Bauernschläue und kindlichem Primitivo-Englisch öffnet ihm sogar das Herz der schönen Stewardess Amalia. Catherine Zeta-Jones spielt sie routiniert und mit kaum mehr Aufwand als gut platzierten Augenaufschlägen herunter.

In The Terminal soll Steven Spielbergs große Utopie von der gerechten Herrschaft ewiger Kindheit also nicht nur technokratische Flughafenwüsten mit vergessener Menschlichkeit beleben. Navorski, der knuffige Naive, wuselt auch gegen ein System, dass sich in der Gestalt des Flughafendirektors (Stanley Tucci) mit Paranoia vor Terrorangriffen verbarrikadiert und im Wahn um Wehrhaftigkeit seine ureigensten Prinzipien von Freiheit und individuellem Glücksversprechen verrät. In diesem Kosmos mag es nur konsequent sein, dass eine bloß mit Wischmopp bewaffnete Putzkraft einen Airbus stoppen kann. Billiger ist die Versöhnung zwischen familienfreundlicher Unterhaltung und zarten Bezügen zur Bush-Politik wohl kaum zu haben.