Die Abmachung mit Teheran, um die sich Deutsche, Franzosen und Briten ein Jahr lang bemüht hatten und die dem Bau einer iranischen Atomwaffe vorbeugen sollte, ist mausetot. Daraus sind nun die Lehren zu ziehen. Eine neue Vereinbarung ist notwendig: mit süßerem Zuckerbrot und schmerzhafterer Peitsche.

Die zugrunde liegende Idee war eigentlich ganz simpel. Das Land verpflichtete sich, das "Zusatzprotokoll" des Atomwaffensperrvertrags zu unterzeichnen und zu ratifizieren, das schärfere Inspektionen von Atomanlagen vorsieht. Außerdem versprach Iran, die Verarbeitung von Uran und Plutonium zu unterlassen; solche Aktivitäten können zwar friedlichen Zwecken dienen, sind aber auch Voraussetzungen für den Bombenbau. Ihrerseits boten die EU-3 für den Fall iranischen Wohlverhaltens die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Energiegewinnung an und stellten – wenngleich implizit, also undokumentiert – in Aussicht, den Fall Iran vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen fern zu halten und damit möglichen Wirtschaftssanktionen vorzubeugen.

Doch bis heute hat Iran das Zusatzprotokoll nicht ratifiziert. Überdies hat Teheran wieder mit der Uran-Verarbeitung begonnen, wenn auch nicht mit der Anreicherung – und in Europa wiederum wird ernsthaft erwogen, vor den Sicherheitsrat zu gehen.

Die Abmachung, die nun in Scherben liegt, litt vor allem daran, dass sie Iran zu wenig abverlangte. Die zeitweilige Unterbrechung der Uran-Aktivitäten war ungeeignet, die Gefahr einer iranischen Atombombe zu verringern, denn das Land konnte jederzeit wieder von neuem beginnen – was es dann ja auch getan hat. Um die iranische Bedrohung zu beenden, hätte der Vertrag stattdessen die Demontage aller Anlagen zur Herstellung von Nuklearbrennstoffen einschließen müssen; einmotten genügt eben nicht.

Der Vertrag hatte einen zweiten Fehler: Er gab Iran zu wenig. Immerhin verlangte er von Teheran, jegliche Option auf Atomwaffen aufzugeben: eine enorme Konzession, für die ein hoher Preis verlangt werden darf. Sehr konkrete Zusagen für die Zusammenarbeit auf dem Energiesektor beispielsweise, zusammen mit einer Verpflichtung der Europäer, mit Iran einen umfassend angelegten Sicherheitsdialog zu führen.

Und noch ein dritter Fehler des Deals trug zu dessen Scheitern bei: die Abwesenheit empfindlicher Sanktionen für den Fall verweigerter Zusammenarbeit. Wiederholte öffentliche Ermahnung durch die Internationale Atomenergiebehörde IAEA, wenngleich für Iran höchst unangenehm, reichten da keineswegs aus. Nur ernsthafte, materielle Drohungen hätten einen Kurswechsel in Teheran bewirken können; immerhin geht es nach iranischer Wahrnehmung um keine Kleinigkeit, sondern um die nationale Sicherheit.

Die gescheiterte Abmachung kann nicht wiederbelebt werden, und das wäre auch gar nicht erstrebenswert. Stattdessen müssen nun die Lehren gezogen werden – einschließlich der positiven, dass internationale Anstrengung möglich ist. Diesmal aber eine, die Amerika weitaus stärker einbezieht. Unglücklicherweise ist Fortschritt auf diesem Weg nicht zu erwarten, solange die Bush-Regierung ihren gegenwärtigen Kurs beibehält. Ihre dogmatische Abneigung gegen substanzielle Zugeständnisse an unerfreuliche Regime macht Verhandlungen vollkommen unmöglich. John Kerry wäre als Präsident höchstwahrscheinlich flexibler und auch eher bereit, mit den europäischen Alliierten zusammenzuarbeiten, doch auch in diesem Fall dürften die Vereinigten Staaten eine härtere Linie verfolgen als – bis jetzt – die Europäer. Die USA würden von Iran fordern, alle Fabriken zur Verarbeitung von Uran und Plutonium abzuwracken sowie die einschlägige Forschung zu beenden. Außerdem wäre auch eine Kerry-Regierung kaum bereit, die Beziehungen zu Iran lediglich von der Lösung des Nuklearproblems abhängig zu machen; volle Anerkennung des Landes wäre auch bedingt durch dessen Haltung zu Themen wie Terrorismus, regionale Sicherheit und Demokratie.