Alle reden vom Wetter. Wir nicht. So stand es vor Jahren auf einem legendären Plakat, das eine pfiffige Werbung der Bundesbahn nicht minder pfiffig parodierte. Anstelle eines Zuges, der durch die Winterlandschaft fuhr, waren die Profile von Marx, Engels und Lenin zu sehen. Was heißen sollte: Die drei reden von wahrhaft Wichtigem, wozu Wetter nicht zählt. Denn Wetter ist nicht Politik.

Wetter ist nicht Politik? Fünf schwere Wirbelstürme mit Geschwindigkeiten bis zu 350 Stundenkilometer haben kurz hintereinander die Karibik heimgesucht: Lisa, Ivan, Jeanne, Charley und Frances, die nächsten bauen sich auf.

Allerhöchstens gab es davon in früheren Jahren ein bis zwei - und da hat man von den Taifunen Songda, Chaba und Maeri im Pazifik noch gar nicht geredet.

Die Münchner Rück veranschlagt die Schäden durch Wirbelstürme auf 40 bis 50 Milliarden US-Dollar. Die Zeit der Billig-Hurrikans geht zu Ende. Jeff Bush, Gouverneur in Florida, wird demnächst sicher wieder an die Küste eilen, um die Hurrikan-Verwüstungen zu inspizieren.

Sein Bruder wiederum, Präsident im fernen Washington, verweigert dem Kyoto-Protokoll, das eine internationale Reduzierung der Treibhausgase vereinbarte, bis heute die Unterschrift, auch im Duell mit Kerry blieb er unnachgiebig - während Wladimir Putin soeben Zustimmung angekündigt hat.

Brasiliens Präsident Lula machte sich bei den UN für einen Klima-Regime-Change stark.

Der Florida-Bush wird auch wissen, was der große Bruder in Washington weiß, aber ignoriert: dass der Temperaturanstieg dramatisch - und zu einem erheblichen Anteil menschengemacht ist. Sie ignorieren es ebenso, wie es die Energiekonzerne tun, die in Washington mitregieren. Nicht mehr nur im fernen Florida oder in Bangladesh, direkt vor der Tür kann es nun häufig geschehen, dass kleine, lokale Hurrikans Dächer abtragen und Dörfer vernichten. Nächste Meldung: Die Benzinpreise steigen wieder. Der IWF ist besorgt, weil die Nachfrage in den USA im Sommer stieg und die Zahl der Automobile in China emporschnellt. Saudi-Arabien erhöht seine Fördermengen. In Monte Carlo aber, konnte man kürzlich lesen, haben sich die großen Versicherer getroffen.