VW-Chef Bernd Pischetsrieder und seine Unterhändler um Personalvorstand Peter Hartz erhalten für die derzeit laufenden Verhandlungen um einen neuen VW-Werkstarif Munition von wissenschaftlicher Seite. Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research (CAR) der Fachhochschule Gelsenkirchen, hat für VW gravierende Kostennachteile gegenüber europäischen Konkurrenten wie Peugeot-Citroën oder Renault errechnet. Würden die 103 800 VW-Beschäftigten der Volkswagen AG nicht mit deutschen Löhnen, sondern mit französischen Löhnen bezahlt, ergäbe sich eine Kosteneinsparung von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr, so Dudenhöffer.

Auf der Suche nach Argumenten gegen solch lohndrückerische Kalkulationen brauchen die VW-Beschäftigten in Wolfsburg, Hannover oder Emden allerdings nicht einmal ins Ausland zu schauen. Die These von IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine, dass die aktuellen Gewinnprobleme auf Managementfehler zurückzuführen seien, wird durch die jüngsten Nachrichten aus Stuttgart-Zuffenhausen unterfüttert: Angesichts des positiven Ergebnisverlaufs erhält jeder Mitarbeiter der Porsche AG, wo ebenfalls keine französischen Löhne bezahlt werden, eine Sonderzahlung von 3000 Euro zusätzlich zur übertariflichen Weihnachtsgratifikation. Da würde mancher niedersächsische VW-Werker wohl gern mit seinen schwäbischen Porsche-Kollegen tauschen.